+

Sie machte München zur Tanz-Metropole

Primaballerina Konstanze Vernon ist tot

München - Sie galt als Tanzikone und Grande Dame des Balletts. Jetzt ist die ehemalige Primaballerina Konstanze Vernon nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Sie wurde 74 Jahre alt.

München ist um eine große Persönlichkeit ärmer. Die Ballettwelt und mit ihr alle, die vertraut sind mit dem kulturellen Leben in dieser Stadt, ja, in diesem Land, trauern um Konstanze Vernon. Die Grande Dame des Tanzes und der Tanzpädagogik ist nach kurzer, schwerer Krankheit am Montag, 21. Januar, gestorben.

Der Schock sitzt tief, das Erschrecken über den viel zu frühen und so plötzlichen Tod dieser wunderbaren Frau ist unendlich. Leere macht sich breit in den Herzen all jener, die sie kannten. In den Premieren der Theater, bei den Preisverleihungen durch Stadt oder Staat, bei den großen kulturellen Anlässen und kulturpolitischen Diskussionen, die sie so oft mit ihrer Anwesenheit ehrte und bereicherte, wird ihr Platz nicht ohne weiteres zu besetzen sein. Bis zuletzt hatte Konstanze Vernon nichts an ihrer Strahlkraft, an ihrer Vitalität, nichts an ihrer Ausdrucksstärke und Schönheit eingebüßt, durch die sie über so viele Jahre, von 1963 bis 1980 als Primaballerina der Bayerischen Staatsoper, das Publikum begeisterte.

Gegen Ende ihrer Laufbahn als Solotänzerin begann sie ihre zweite Karriere, und es fällt schwer zu entscheiden, welche ihr mehr internationalen Ruhm eingebracht hat. 1978, drei Jahre nach dem Tod ihres kongenialen Tanzpartners Heinz Bosl, gründete sie die Heinz-Bosl-Stiftung, jene Ballettakademie, die die bayerische Landeshauptstadt zu einer internationalen Ballettmetropole aufsteigen ließ. Dass es heute ein eigenständiges, autonomes Bayerisches Staatsballett gibt, das sich von der Bayerischen Staatsoper erfolgreich emanzipieren konnte, ist allein Konstanze Vernon zu verdanken, die dieses Staatsballett von seiner Gründung an, von 1988 bis 1998 leitete. Und auch Fred Hoffmann, ihrem Mann, der sie in allen Belangen aktiv unterstützte.

Die Toten des Jahres 2012

Die Toten des Jahres 2012

Ohne ihn, der vor vier Jahren überraschend starb, wären die pädagogischen Erfolge, das internationale Renommée der Ballettakademie, die großen Gastspiele nach Fernost oder in die USA, die Teilnahme an den berühmtesten Wettbewerben und das gute Abschneiden der Bosl-Schützlinge nicht denkbar gewesen.

Konstanze Vernon hatte keine eigenen Kinder. Aber sie hatte unzählige Mädchen und Buben, die sie liebte, förderte und forderte. Die Absolventen der Bosl-Stiftung sind Legende. Namen mit Klang, der in diesem an sich kurzen Tänzerberuf nur zu schnell verhallt. Der Klang des Namens Konstanze Vernon aber wird bleiben, zu nachhaltig war das Wirken dieser First Lady des Münchner Balletts.

Einer Primaballerina, die aus Berlin nach Bayern kam. Sie war die Tochter des Berliner Musikwissenschaftlers Friedrich Herzfeld. Als Sechsjährige schon stand sie im Studio von Tatjana Gsovsky, der Ballettchefin der West-Berliner Oper, an der Stange. Mit 14 wurde sie Mitglied der Opern-Compagnie. Und Konstanze hieß auf Anraten Gsovskys von nun an nicht mehr Herzfeld, sondern wurde in Vernon umbenannt. Seit ihrem 17. Lebensjahr tanzte Konstanze Vernon als Solistin. Und als 1963 Heinz Rosen bei ihr anfragte, folgte sie dem Ruf aus München und verzauberte fortan das Publikum in Bayern. Konstanze Vernon war 24 Jahre alt.

Ihre Giselle, ihre Tatjana und so viele Rollen mehr haben Münchner Tanzgeschichte geschrieben. Ihr Charme, ihre Fröhlichkeit, ihre künstlerische Intelligenz und Sinnlichkeit werden jedem in Erinnerung bleiben, der sie kannte. Fünfzig Jahre lang hat sie, die sich immer treu geblieben ist, dem kulturellen Leben der Stadt und des Freistaats ein unvergleichliches Gesicht gegeben.

Nur drei Wochen nach ihrem 74. Geburtstag, den sie am 2. Januar noch feiern konnte, hat Konstanze Vernon München für immer verlassen. Bleiben wird ihr unschätzbares Vermächtnis, nämlich dem Tanz in Deutschland wieder eine Zukunft gegeben zu haben.

Von Sabine Dultz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort
Das Musikfestival Rockavaria findet am 9. und 10. Juni 2018 wieder in München statt. Die Veranstalter haben das Freiluftspektakel vom Olympiapark an einen ganz anderen …
Rockavaria findet 2018 wieder in München statt – an einem ganz anderen Ort
Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
Einen abenteuerlichen Weg hat die Liverpooler Band Anathema in zweieinhalb Jahrzehnten zurückgelegt: von ruppigem Doom Metal über düsteren Alternative Rock hin zu einer …
Konzertkritik: So war Anathema im Backstage
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ gehört zur DNA des Münchner Gärtnerplatztheaters. Das passende Stück also zur Wiedereröffnung - auch wenn der Abend recht brav ausfällt.
„Die lustige Witwe“ am Gärtnerplatz: Nachkriegstonfilm 2.0
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle
Das wird ein Fest für Trash- und 90er-Fans. Gleich sechs Bands, die im Umz-umz-Zeitalter für Furore gesorgt hatten, treten beim Event „Die Mega 90er live!“ in der …
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle

Kommentare