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So hinreißend exaltiert wie Prince stets war, klingen auch die Lieder auf „Deliverance“, jenem Mini-Album, das am heutigen ersten Todestag des Künstlers hätte erscheinen sollen. 

Irrungen und Wirrungen um den Nachlass

Prince: So klingt das Mini-Album „Deliverance“

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Zum ersten Todestag sollten unbekannte Lieder von Prince erscheinen – ein US-Gericht stoppte die Veröffentlichung. Verlierer sind die Fans – denn „Deliverance“ ist erstaunlich gut.

David Bowie, Prince, Leonard Cohen, George Michael und manche mehr – 2016, das Jahr, in dem so viele Musiklegenden ihre Instrumente für immer zur Seite legen mussten, schmerzt bis heute. 2017 bringt mit den ersten Todestagen die Erinnerungen zurück. Doch zumindest die Fans von Prince, der heute vor einem Jahr starb, sollten nicht trauern, sondern feiern und „neue“ Musik hören. Denn für diesen Freitag war die Veröffentlichung der ersten Platte aus dem Nachlass des Soul-Superstars geplant. Doch in den vergangenen Tagen entwickelte sich um die EP „Deliverance“, ein Mini-Album mit sechs bisher unveröffentlichten Songs, ein wahrer Krimi. Letzter Stand: Ein US-Bundesgericht verhinderte auf Antrag des Nachlassverwalters per einstweiliger Verfügung, dass „Deliverance“ heute erscheinen kann. Der kleine Mann aus Minneapolis ist auch ein Jahr nach seinem Tod noch für einen großen Skandal gut.

Der Schaffenswütige hinterließ ein gewaltiges Archiv

57 Jahre war Prince nur alt, als er mutmaßlich an einer Überdosis Schmerzmittel starb. Doch die Zeit reichte aus, um ein gewaltiges Privatarchiv zu hinterlassen. Der schaffenswütige Musiker hortete hunderte, wenn nicht sogar tausende von unveröffentlichten Songs. Die ersten dieser Tracks sollten nun auf „Deliverance“ erscheinen, das bereits millionenfach vorbestellt wurde. Sie entstanden zwischen 2006 und 2008 und wurden von George Ian Boxill, dem langjährigen Toningenieur der Paisley Park Studios, fertiggestellt. Der Titelsong war bereits seit Dienstag auf Apple Music zu hören – und machte Lust auf mehr. Eine bombastische Ballade hat Prince da hinterlassen zwischen Blues und Gospel, mit Falsett, mit Orgel, mit einem mächtigen Gitarrensolo, und natürlich mit Gott, dem Herrn, im Text. Kurzum: Mit allem, was dazugehört zu einem hinreißend exaltierten Prince-Song. 

Nun ist das Stück aus dem Netz verschwunden, zahllose Fans haben es aber längst heruntergeladen. Laut der US-Website KSTP haben die Erben von Prince Boxill verklagt, weil der Toningenieur angeblich gar keine Rechte an den Liedern hat. Demnach ließ er sie aus dem Studio schlichtweg „mitgehen“, um sie nun zum Todestag über die kleine christliche Plattenfirma RMA auf den Markt zu bringen. Zudem soll Boxill Prince in einer Vertraulichkeitsvereinbarung zugesichert haben, die Stücke niemals zu veröffentlichen.

Erinnerung an den Ausnahmekünstler in Minneapolis. 

Irrungen und Wirrungen um den Nachlass

Die dubiose Geschichte passt zu den Irrungen und Wirrungen rund um den Prince-Nachlass. Erst im Februar hatte der US-Konzern Universal die Rechte an den unveröffentlichten Songs erworben und eine Vermarktung zugesichert, „die dem Status von Prince als Ikone gerecht wird“. Nach detaillierter Prüfung stellten die Universal-Anwälte dann fest, dass das Erbe völlig unüberschaubar geregelt ist. Nun steht das Rechtepaket angeblich schon wieder zum Verkauf.

Verlierer sind die Fans von Prince, die auf „neue“ Musik gehofft hatten. Denn in Anbetracht der dubiosen Umstände, unter denen „Deliverance“ postum erscheinen sollte, ist die EP erstaunlich gut gelungen. Herzstück ist eine vier Stücke lange Mini-Oper namens „Man Opera“, die kühn zwischen Ballade, stampfendem Rock und Klassik-Anleihen wechselt.

Doch derzeit ist völlig unklar, ob „Deliverance“ je offiziell erscheint – oder ob die Platte, wie 1987 das legendäre unveröffentlichte „Black Album“ von Prince, nun jahrelang auf dem Schwarzmarkt durch die Szene geistert.

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