Prinz, Tod und Teufel

- Mit Pauken und Trompeten, Geigen und Gesängen, mit Höllenfeuer und schwarzem Engel, mit der schönen Buhlin Veronica Ferres und dem barocken Prachtkerl Peter Simonischek ging zur Eröffnung der Salzburger Festspiele "Jedermann" in die zweite Runde. Das Spektakel vom Prassen und Darben des reichen Mannes auf dem Domplatz aber wurde fast noch übertroffen vom Rummel vor den Absperrungen, von Schaulustigen und Polizeischranken, von Motorradstaffeln und Blaulicht, von schwarzen Limousinen und königlicher Standarte: Prinz Charles gab sich die Ehre. Doch nach dem hochadeligen Spuk und aller moralischen Läuterung durch Hugo von Hofmannsthals offenbar unsterblichem Stück vom Sterben fühlte sich ein jeder an den Prosecco-Bars auf den Plätzen der Stadt wieder als sein eigener König.

<P>Vor allem "Jedermann"-Regisseur Christian Stückl ließ sich von keinem Thronfolger beeindrucken. Mit gespannter Gelassenheit stand er am Rande und hatte nur Augen für den Ablauf des Spiels und dafür, wie die Wiederaufnahme-Premiere seiner vorjährigen Inszenierung funktionierte. Er konnte zufrieden sein. Besonders die Riederinger Kinder als muntere Spielansager brachten unwiderstehlichen Charme in die Aufführung. Sie ließen sich selbst von dem Hubschrauber, der störend über den Schauplatz donnerte, nicht ablenken. Da die Vorstellung diesmal erst mit Eintritt der Dämmerung begann, kamen Lichteffekte, Fackelschein und Höllenfeuer bestens zur Geltung. Und wenn am Ende - es ist mittlerweile halb elf - der Domplatz für einen kurzen Moment in volle Finsternis taucht und nur die angestrahlte Burg von weit oben herüberleuchtet, dann ist das eine zweifellos einmalig berührende Stimmung. Doch das ist nicht die Regel, die meisten Vorstellungen beginnen um 17.30 Uhr.</P><P>Den stärksten Eindruck in diesem "Jedermann" hinterlässt auch diesmal wieder Jens Harzer als geheimnisvoll faszinierender Tod; mit seinem fahl geschminkten, nackten Körper einer alten Marmorstatue gleich. Peter Simonischek gibt in satter Souveränität, aber ein bisschen zu selbstbetroffen die Titelfigur. Veronika Ferres spielt das sinnliche Mädchen und ist dabei doch eine Spur zu bieder. Tobias Moretti sorgt als Teufel und Guter Gesell fürs Komödiantische. Und Gott der Herr und Armer Nachbar Peter Fitz haben leider nicht jene extreme Penner-Verrücktheit des Hans-Michael Rehberg, der vor einem Jahr in diesen Rollen glänzte und schockierte.</P><P>Ein Manko der Aufführung bleibt, dass die Jedermann-Rufe, die einst bedrohlich von der Burg herunter erschallten, sich bei Stückl vervielfältigt haben und nun mit elektronischer Raffinesse von rundherum ertönen. Die Stimme des Herrn jedoch sollte einzigartig bleiben und damit ihre Dringlichkeit behalten. So aber wurde nur Beliebigkeit gewonnen. Der legendäre Schauder, den das Publikum einst dabei erfasst haben soll, stellte sich nicht ein.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die …
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
Stapellauf fürs Themenfrachtschiff
Hamburg - Jörg Widmanns monumentales und mehrheitsfähiges Oratorium „Arche“ ist eine Maßanfertigung für die Hamburger Elbphilharmonie. Die Konzertkritik.
Stapellauf fürs Themenfrachtschiff
Im Minenfeld
München - Bernhard Maaz, Chef der Staatsgemäldesammlungen, spricht im Merkur-Interview über Kunst in der NS-Zeit, Gurlitt, Raubkunst, Provenienzforschung und Restitution.
Im Minenfeld

Kommentare