Prinzessin der Herzen

- Wenn Vesselina Kasarova sich zum Aschenputtel macht, dann hat Rossini Hochzeit. Ihre hoch sensibilisierte "Cenerentola" war ein Glücksfall für das Münchner Publikum im Gasteig und für die mitgeschnittene CD, die erste, die die Kasarova mit dieser Partie aufnahm. Marcello Viotti, der verstorbene Chef des Münchner Rundfunkorchesters, hatte noch die Weichen dafür gestellt. Carlo Rizzi beerbte ihn jetzt am Pult und hatte mit Rossini immerhin etwas mehr Fortüne als mit Verdi bei der Salzburger "Traviata".

Begeisterung für einen Turbo-Rossini

Ein brennender Inspirator wie Viotti ist er nicht. Doch den Stempel drückte der konzertanten Aufführung sowieso die reizende, allen Starallüren abholde Vesselina Kasarova auf. Ihr kunstfertiger Mezzo ist bestens in Form: Er klingt wie aus einem Guss, perlt beweglich in den Koloraturen, springt mühelos in die Intervalle, landet absolut treffsicher in der wohlgerundeten Höhe, plappert virtuos, changiert in vielen Farben und Stimmungen, kostet dynamische Feinheiten aus. Und er umhüllt die Angelina mit einer jeder Phrase abgelauschten Empfindsamkeit, die aus ihr eine Prinzessin der Herzen macht.

Als ihr Prinz Don Ramiro kämpfte Antonio Siragusa mit den Spitzentönen, die sich leider arg verhärteten, und entschädigte nur im Mezzavoce und im Piano mit angenehm geschmeidiger Tongebung. Durchs Wechsel- und Versteckspiel zwischen Herr und Diener lavierte Vladimir Chernov als Dandini gekonnt, mit Charme und geschwindem Bariton. Übertroffen wurde er an Hurtigkeit und akrobatischer Zungenfertigkeit von Don Magnifico, den Bruno de Simone mit kräftiger Komödiantik typisierte.

Als Alidoro empfahl sich der junge Paolo Pecchioli mit dunklem, flexiblem Bass. Als böse Stiefschwestern Clorinda und Tisbe gackerten und keiften Maria Laura Martorana mit entsprechendem Sopran und Judith Schmid mit wohltönendem Mezzo. Da das Ensemble überdies mit kleinen Gesten und zuweilen großer Mimik "agierte", kam die Geschichte fast zu ihrem Recht. Auch das Rundfunkorchester musizierte - ein paar Kleinigkeiten abgerechnet - temperamentvoll, legte in den Ensembles den Turbo ein und lieferte sich delikate Wechselspiele im fein gesponnenen Bläserpart wie zwischen Bläsern und Streichern.

Die Herren des BR-Chores, von Udo Mehrpohl einstudiert, fügten sich locker ins allgemeine Geplapper, und Carlo Rizzi lotste alle Beteiligten ohne Entgleisungen durch Rossinis Märchen-Oper. Große Begeisterung in der leider nicht ausverkauften Philharmonie. Ob da mancher sein Geld schon für die CD aufsparte?

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