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Am besten steht ihm Humor: Bassist Tareq Nazmi ragt aufgrund seiner Größe nicht nur aus dem Ensemble der Bayerischen Staatsoper heraus. Ab Sonntag singt er in Enoch zu Guttenbergs „Zauberflöte“ den Sarastro.

Prinzregententheater

Opernpremiere: Tareq Nazmi in der "Zauberflöte"

München - Bassist Tareq Nazmi ist im Prinzregententheater in einer ungewöhnlichen Aufführung der „Zauberflöte“ zu erleben.

Vorstadtspektakel? Musical-Vorläufer? Oder freimaurerisches Mysterienspiel? Von allem ein bisschen ist Mozarts „Zauberflöte“. Und demnächst ist sie im Münchner Prinzregententheater auch anderes: eine Reminiszenz an jene Amateuraufführungen des 19. Jahrhunderts, als der Adel zum Plaisir Klassiker nachspielte. Enoch zu Guttenberg, normalerweise als Chef der Neubeurer Chorgemeinschaft aktiv, geht mit seiner Regie-Arbeit, die ab kommenden Sonntag zu sehen ist und vor drei Jahren auf Herrenchiemsee herauskam, sogar noch weiter. Seine von ihm dirigierte Produktion beschwört eine Privat-„Zauberflöte“ am Hofe des Kini herauf. Sisi ist also Pamina, Herzog Max Emanuel ist Papageno und Ludwig II., natürlich, ist Sarastro.

Authentischer lässt sich Sarastro hier nicht denken. Wenn dieser Mann von Isis und Osiris singt, dann schwingt die eigene Herkunft mit. Tareq Nazmi ist in Kuwait geboren als Sohn einer Deutschen – und eines Ägypters. Einzige Einschränkung bei dieser Parade-Partie: Nazmi ist sehr jung. 30 Lenze, da werden die Besetzungsbüros meist einsilbig. Bässe, die sollten würdig, gesetzt und am besten in Ehren ergraut sein. „Gerade deshalb bin ich ja froh, dass ich mich mit dieser Partie zeigen kann“, sagt Nazmi.

In München, wo er quasi seit Baby-Zeiten lebt, ist Nazmi kein Unbekannter. Der groß gewachsene, lockenköpfige Bassist ragt oft aus dem Bühnengeschehen des Münchner Nationaltheaters heraus. Nach dem Studium kam er ins dortige Opernstudio und wurde nahtlos ins Ensemble übernommen. Der Sarastro ist dabei nichts Neues für Nazmi. Die Rolle hat er bereits in Straubing ausprobiert mit, und da muss er selbst grinsen, 22 Jahren. Franz-Josef Selig, ein berühmter Fachkollege, habe ihn wissen lassen: Der Sarastro werde immer schwieriger mit zunehmenden Bühnenjahren. Nicht unbedingt, weil man mit den Tönen Problemen habe. „Sondern weil einem allmählich bewusst wird, wie schwierig, offen und ungeschützt die Gesangslinie hier liegt“, erläutert Nazmi.

Ans professionelle Singen hat der Münchner zunächst nicht gedacht. Beim Papa, einem Musiklehrer, lernte Nazmi Geige. Die Schwester sang im Chor, zog den Bruder mit – und dann der klassische Augenblick: Seine Stimme wurde dort entdeckt. „Ich habe mich lange dagegen gewehrt“, sagt Nazmi heute. „Singen war mir so fern. Ich kannte auch keinen, der das professionell tut. Singen, so dachte ich mir, kann jeder, das ist doch kein Beruf.“

Aber irgendwie muss damals ein Keim gelegt worden sein. Und dann kam noch anderes hinzu: jene langweiligen Stunden, die Nazmi während seines Zivildienstes in München an der Klosterpforte von St. Bonifaz hockte. „Ich habe einmal das Radio angemacht, die ,Winterreise‘ mit Christian Gerhaher gehört, und ich war fasziniert. Wenn einer so singen kann, dann hören die Leute einem zu.“ Also: Aufnahmeprüfung an der Hochschule, Studium bei Edith Wiens und, eine Pointe, Meisterklasse bei Christian Gerhaher. Streng sei der gewesen, erinnert sich Nazmi lächelnd, vor allem eines habe er ihm eingeschärft: nur nicht große Bassisten mit fertiger, voluminöser Stimme imitieren.

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Wohin sich Nazmis Vokalmaterial entwickelt, das weiß er selbst noch nicht genau. Anfangs war da eine gute Naturtiefe, gerade tendiert sein Bass zu etwas höheren Lagen. Am liebsten wäre ihm ohnehin etwas ganz anderes, wohl nie Erreichbares: „Rigoletto wäre toll.“ Und am besten steht ihm eines: Humor. Bei den Produktionen des Opernstudios war das schon zu erleben. Nazmi ist Naturkomiker – und muss, um diese Wirkung zu erzielen, gar nicht viel auf der Bühne tun. Vor der Opernsängerkarriere hat er das auch ausgelebt, als Mitgründer der Nostalphoniker, eines Ensembles, das auf Spuren der Comedian Harmonists wandelt. „Konzerte, Geburtstage, Familienfeiern, das hat schon Spaß gemacht. Außerdem gab’s Geld…“

Dass ihn nun die Bayerische Staatsoper gleich als Ersatz-Sarastro vorhält, glaubt Tareq Nazmi nicht. Immerhin darf er hier den Sprecher in der „Zauberflöte“ übernehmen, auch den Masetto im „Don Giovanni“. Ein kleines oder mittleres Haus mit großen Partien wäre die Alternative gewesen. Doch weniger für Nazmi, vor allem nicht in seinem Stimmfach. „Man muss sich Hauptrollen nicht gleich erobern. Als Bass habe ich im Gegensatz zu den Sopranen einen Vorteil – viel, viel Zeit.“

Aufführungen

am 3., 4., 5., 8., 9. November im Münchner Prinzregententheater.

Telefon 089/ 93 60 93.

Von Markus Thiel

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