Premierenkritik aus dem Prinzregententheater

Verirrt im Klassenzimmer

München - Im Prinzregententheater lässt Rosamund Gilmore Janáceks „Das schlaue Füchslein“ in einer Schule spielen. Die Frage ist, warum?

Nichts bringt mehr Sympathie als das Wort „Zusammenarbeit“. Wenn sich mehrere Institutionen – Anfänger und Erfahrene, Studenten und gestandene Bühnenkünstler – zusammentun, muss doch etwas für beide Seiten Befruchtendes herauskommen. Zum ersten Mal bringen die Theater- und Musikstudenten mit den Künstlern des Gärtnerplatztheaters gemeinsam eine Oper heraus, Leo(s) Janá(c)eks „Schlaues Füchslein“ (Prinzregententheater).

Anvertraut wurde die Inszenierung der Tänzerin, Choreographin und Regisseurin Rosamund Gilmore, der man das Stück vorbehaltlos zutrauen musste, wenn man unter anderem ihre großartige „Zauberflöte“ am Gärtnerplatz und die „Drei Schwestern“ nach Tschechow von Peter Eötvös an der Theaterakademie gesehen hat. Ihre leichte Hand, ihr genuines Talent für Bewegung hätte eine Version des Stücks ergeben können in spannendem Kontrast zur Aufführung des Opernstudios unter David Bösch vor acht Tagen im Cuvilliéstheater (wir berichteten).

Es war aber nicht so. Gilmore hat das Stück in eine Schule versetzt und sich damit einen Klotz ans Bein gebunden. Schüler (Chor und Solisten) turnen in einer baumbestandenen Klasse herum, krabbeln auf Bänke und Leitern, warten auf den Lehrer, als der sich der Förster mit Rucksack und Gewehr (männlich, imponierend: Derrick Ballard) ans Pult setzt. Pech nur, dass der gesamte Text (übertitelt) nichts, aber auch gar nichts mit dem Schulthema zu tun hat. Das ohnehin nicht leicht verständliche Stück (schon gar kein Kinderstück) erschließt sich einem normalen Theaterbesucher bis zum Schuss nicht. Gilmore hat auch nicht viel dafür getan, die Personen in ihrem Verhältnis zueinander genau zu charakterisieren. Mehr oder weniger zufällig sind ihre Auftritte in dem Einheitsraum, dessen Bäumchen und kahle Stämme nie die freie Luft eines Waldes hergeben. Der aber spielt bei Janá(c)ek eine entscheidende Rolle – man braucht nur auf die bei Andreas Kowalewitz am Pult des Gärtnerplatzorchesters deutlich sprechende Musik zu hören.

Gesungen wird hervorragend. Die Profis sind von den Noch-nicht-Profis nahezu nicht zu unterscheiden. Das Füchslein Schlaufuchs (Maria Celeng) und sein Liebhaber (Soomin Yu) können sich überall hören lasen. Gestern Abend spielte die Alternativbesetzung.

Nur – so nett und bunt alles aussieht mit schließlich noch herumhüpfendem Kinderchor – eine entschiedene Haltung zum Thema Mensch und Tier, Mensch und Natur zeigt diese Aufführung nicht. Die hätte man gern erkannt, auch und gerade wenn Rosamund Gilmore ganz andere Wege einschlägt als der scharf profilierende David Bösch im Cuvilliéstheater.

Weitere Vorstellungen

am 22., 23., 25., 28., 29. sowie 30. Juni;

Telefon 089/ 21 85 19 60.

Von Beate Kayser

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Jansons zum Konzertsaal: „Ich bin noch nicht beruhigt“
Der Architektenwettbewerb ist entschieden, ab 2018 könnte gebaut werden. Doch wie soll das Münchner Konzerthaus geführt werden? Dirigent Mariss Jansons denkt an eine …
Jansons zum Konzertsaal: „Ich bin noch nicht beruhigt“
Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land
Hisham Matar erzählt in „Die Rückkehr“ von seiner Heimat Libyen und von der Suche nach seinem Vater, der von Gaddafis Schergen entführt wurde. Dafür wird der Autor in …
Hisham Matar und sein schwieriges Vater-Land
Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Zusammen mit seinem Bruder Angus gründete Malcolm Young 1973 AC/DC und schrieb Rockgeschichte. Jetzt ist der Gitarrist nach langer Krankheit im Alter von 64 Jahren …
Der Höllen-Glöckner von AC/DC
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron
Trotz eines gebrochenen Beins tritt Marilyn Manson in der Münchner Zenithhalle auf. Dort bietet er seinen Fans eine kurze, aber wohl unvergessliche Show - bis die …
Marilyn Manson in München: Wie Luzifer auf dem Thron

Kommentare