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Elvis im King-Size-Format - alles andere wäre auch unangebracht: Eine Szene aus der Show, die Priscilla Presley in der Münchner Olympiahalle moderiert.

Elvis-Show kommt nach München

Priscilla Presley: Der King hätte keinen Facebook-Account

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Priscilla Presley über private Seiten ihres Ex-Manns, ihr Mitleid mit den Fans, und was sie vom Leben gelernt hat.

20 Minuten Interview waren ausgemacht. „Wir können schon auch länger machen – na ja, abhängig davon, welche Fragen Sie stellen.“ Priscilla Presley lacht zwar – auch wenn zahlreiche Liftings dieses Lachen nur noch erahnen lassen – doch sie scheint das ganz ernst zu meinen. Die Frau, die mit dem King (1935-1977) verheiratet war, und das Vermächtnis ihres Ex-Gatten gut zu vermarkten weiß, überlegt genau, was sie preisgibt. Am 21. Mai kommt sie nach München in die Olympiahalle. Bei „Elvis in Concert“ singt der Rock’n’Roller auf der Leinwand, begleitet von einem Symphonieorchester und – Priscilla als Moderatorin. Karten: 089/ 54 81 81 81.

Sie präsentieren in der Show viele Privataufnahmen. Unterschied sich der private Elvis sehr von dem Mann auf der Bühne?

Oh ja! Er hätte sich auf der Bühne nicht so aufführen können wie daheim. (Lacht.) In den Aufnahmen wird schön deutlich, wie verspielt er war – wie ein kleiner Junge. Sie sehen ihn als Vater, der mächtig stolz war auf seine Tochter. Sie sehen, wie wir geheiratet haben. Sie sehen, wie er während eines Auftritts einfach den Liedtext ändert – es aber niemand merkt, weil jeder so fasziniert von ihm war. Dann dreht er sich um und lacht herzlich über diesen Jux.

Lief also stets die Kamera in Graceland?

Nein, fast nie. Er musste ja schon ständig über sich ergehen lassen, dass ihn die Menschen außerhalb des Hauses fotografierten. Sobald er auf die Straße ging und ihn jemand erkannte: Foto, Foto, Foto! Deshalb mochte er das zu Hause gar nicht. Trotzdem schenkte er mir 1966 eine Videokamera. So entstanden die Filme, die wir zeigen – ich bin froh, diese paar Aufnahmen noch zu haben. Denn es war damals ja nicht wie heute mit all den Selfies. Das hätte er nie gemacht. Er war sehr zurückgezogen, legte großen Wert auf seine Privatsphäre. Deshalb ging er auch nicht gern in Restaurants – weil er nicht wollte, dass man ihn dabei fotografiert, wie er isst.

Elvis hätte heute also keinen Twitter- oder Facebook-Account?

Nein, auf keinen Fall. Nun, er würde auch gar keinen benötigen.(Lacht.) Die Leute haben ihn doch sowieso auf Schritt und Tritt verfolgt. Sie kampierten vor den Toren von Graceland, in der Hoffnung, zumindest einen klitzekleinen Blick auf ihn zu erhaschen. Manchmal ritt er mit seinen Pferden zu ihnen, begrüßte sie, ließ sich fotografieren, verteilte Autogramme.

Wie kamen Sie mit den Belagerungen zurecht?

Nicht sehr gut. Ich habe nicht verstanden, warum junge Mädels zelten oder nächtelang in ihren Autos schlafen... Ehe ich nach Graceland zog, konnte ich das nicht so recht nachvollziehen – bis ich es dann live erlebt habe.

Hatten Sie Mitleid mit diesen Mädchen?

Ja! Sehr! Ich habe mich gefragt: Wieso für diesen Kerl? (Lacht.) Nein, Scherz beiseite. Es war wirklich schräg für mich. Heutzutage verstehe ich das besser, wie ich vieles heute besser verstehe. Auch Dinge, die Elvis mir damals sagte. Beispielsweise war er jedes Mal schrecklich nervös vor einem Auftritt. Dabei hatte er die Show doch schon so oft gemacht! Aber er wusste, dass das Publikum eben jedes Mal anders ist. Er sagte gern: „Wenn du nicht nervös bist, bist du dir deiner Sache zu sicher. Denn alles kann passieren in der Show.“ Ich muss oft daran denken, wenn ich nun mit der Tribute-Show auf der Bühne stehe. Ich bin hin und weg, dass das so gut läuft. Es ist schön, dass die Leute noch immer so begeistert von Elvis sind. Und ihn auch viele junge Menschen kennenlernen möchten.

Tatsächlich ist Elvis nach wie vor omnipräsent. Ist das nicht merkwürdig für Sie?

Es war wesentlich schwieriger, als ich jünger war. Klar, ich wusste, dass er ein großer Entertainer war, aber ich hatte ihn nie selbst bei einem Auftritt erlebt. Erst 1969, da waren wir ja schon zwei Jahre verheiratet. Als ich ihn dann das erste Mal auf der Bühne erlebte, dachte ich: Oh, mein Gott! So fühlt es sich also an! Wie ein Tiger, der aus dem Käfig gelassen wird. Das war einfach toll. Ein Erweckungserlebnis.

Wie war es, mit diesem Tiger verheiratet zu sein?

Ihn zu teilen war das Schwierigste. Ihn mit der Welt zu teilen. Ich teilte ihn mit den Fans am Einfahrtstor; ich teilte ihn mit Menschen, die uns folgten; ich teilte ihn mit Paparazzi in unserem Garten.

Elvis hat all das gern mit Humor überspielt...

Oh ja, er hatte einen tollen Sinn für Humor. Er liebte es, Menschen zu erschrecken. Ein echter Kindskopf! In Wortspielen war er besonders gut. Beispielsweise, wenn wir Auto fuhren. Auf den amerikanischen Stoppschildern steht ja „Stop ahead“. Er rief einmal ganz aufgeregt: „Stop! A Head!“ („Stopp! Ein Kopf“; Anm. d. Red.) Wir konnten herrlich miteinander lachen.

Sie stehen nun selbst mit der Show auf der Bühne: Sind Sie so nervös wie Elvis damals?

Ja. Vor allem habe ich nie bestimmte Erwartungen. Niemals. Egal, ob vor einem Auftritt oder im privaten Bereich. Denn ich habe im Leben gelernt, dass es dich jederzeit austricksen kann. Sei dir deiner Sache nie zu sicher.-Ist das das Wichtigste, was Sie gelernt haben?

Vermutlich ja. Wobei es sehr viele Dinge gibt, die ich gelernt habe. Wenn du ein bestimmtes Alter erreicht hast, hast du eine gewisse Weisheit – oder besser: Einsicht – erlangt, wie die Dinge laufen. Beispielsweise folgende Tatsache: Wenn etwas das erste Mal schiefläuft, kann es noch der Fehler von jemand anderem gewesen sein. Wenn es ein zweites Mal schiefläuft, ist es dein eigener Fehler.

Was möchten Sie Ihren Enkeln mit auf den Weg geben?

(Überlegt.) Hm, ich würde sagen: gute Manieren. Ordentlich zu essen, anständig am Tisch zu sitzen. Gutes Benehmen bringt dich um die ganze Welt. Und anderen Menschen eine Chance zu geben, auch hier: nicht schon mit Erwartungen an eine Person herantreten, nicht vorab zu richten. Wenn ihnen das gelingt, wäre ich sehr glücklich.

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