Problem mit dem Profil

- "The Rake's Progress", Igor Strawinskys Oper um den labilen und vom Geld korrumpierten Tom Rakewell, fand in Martin Duncans Inszenierung im Münchner Prinzregententheater ihre Wiederaufnahme.

<P>Und das mit gleich drei Neubesetzungen in einer Produktion, die erstmals im Juli 2002 zu sehen war: William Burden als linkisch, unerträglich eitler Tom, Robert Hayward als dessen dunkle Seite Nick Shadow und Mary Plazas als Anne Trulove, Toms naiv-brave und vom Helfersyndrom gepackte Freundin. Alle drei gaben ihr Debüt an der Bayerischen Staatsoper.<BR></P><P>Strawinsky schrieb die Oper 1947, inspiriert von der gleichnamigen Kupferstichserie William Hogarths von 1732/33. "Horrorszenarien zwischen Witz und Wahn", so preist die Marketingabteilung der Staatsoper die Arbeit des britischen Regieteams um Duncan an. Doch dieses hatte weder scharfe Satire, noch dezidierte Charakterdarstellungen im Sinn. Vielmehr soll ein heller karger Raum, "the room of Tom's mind" (Toms Gedankenwelt), Einblick in die Seelenbewegungen der in gute und böse Seiten aufgespalteten Figur Tom Rakewell geben.<BR></P><P>Doch in dieser oberflächlichen Episoden-Aneinanderreihung - mit ihrer auf Dauer langweiligen, schrillen, tuntig-androgynen Ausrichtung im Ambiente von Rokoko bis Neuzeit - haben die Protagonisten Probleme, Profil zu gewinnen.<BR><BR>Erst der dritte Akt wird substanzieller, und dies ist vor allem der stimmlichen wie darstellerischen Präsenz von Countertenor Christopher Robson zu danken. Tenor William Burden bot Volumen, wenngleich teils leicht forciert; Mary Plazas warme Sopranfülle hatte etwas Mütterliches; und die diabolischen Züge des kernigen Baritons von Robert Hayward als mephistophelisches Alter Ego Shadows traten vor allem in den vom Cembalo begleiteten Auftritten hervor. So zwiespältig die Szene, es gab Gott sei Dank, das Bayerische Staatsorchester, das unter Leitung von Ivor Bolton Strawinskys klassizistische, auf Monteverdi bis Verdi historisch anspielende Musik mit Esprit präsentierte.<BR></P>

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