Profi zum Knuddeln

- Nein, man kann nicht behaupten, die Fans von Chris de Burgh bekämen für die teuren Tickets nichts geboten. Der irische Liedermacher singt alle Hits, plaudert entspannt mit dem Publikum, lässt sich von Verehrerinnen knuddeln und läuft sogar kreuz und quer durch die Zuschauerreihen bis hinauf zu den Rängen. So nahe kommen Stars ihren Anhängern sonst nie. Mittendrin nimmt sich der 55-jährige Vollprofi noch Zeit, um als "Schmuser" einem gewissen Robert bei der Eheanbahnung zu helfen. Robert darf, assistiert von de Burgh, in der ausverkauften Münchner Philharmonie einer jungen Frau namens Renata einen Heiratsantrag machen - der übrigens positiv beschieden wurde.

<P>Missgünstig gestimmte Mitmenschen könnten an dieser Stelle einwerfen, Chris de Burgh sei sich für keinen Blödsinn zu schade, aber im Grunde nimmt der Mann einfach nur seinen Beruf ernst. Er ist seit 30 Jahren Entertainer und liefert, was erwartet wird: gute Stimmung, verbrämt mit ein wenig aufrechter Gesinnung. Musikalisch ist und war das nie besonders aufregend oder originell, aber genau das ist das Erfolgsgeheimnis. </P><P>Lieder wie "Sight and Touch" oder "Living on the Island" klingen vertraut und einfach: Gitarre am Lagerfeuer sozusagen. Da passt es, dass de Burgh diesmal auf eine Begleitband verzichtet und alleine auf der Bühne steht, wo er seine Songs wahlweise mit Gitarre oder Piano begleitet. Schließlich hat er ja in kleinen Clubs begonnen, und diese harte Schule kommt ihm heute zugute.<BR><BR>Charmant und clever spielt er mit den Zuschauern. Obwohl das alles sehr leichtfüßig und teilweise improvisiert wirkt, ist es perfekt choreographiert: die harmlosen Witzeleien, die Lobeshymnen auf München und, um sich endgültig die Sympathien zu sichern, ein Seitenhieb auf George Bush. Der Trick ist, dass de Burgh geschickt den Eindruck vermittelt, er sei ein normaler Typ, der auf der Bühne einfach sagt und tut, was ihm gerade einfällt. Es geht darum, sich wohlzufühlen. </P><P>Die Texte, die in ihrer Schlichtheit mitunter völlig entgleisen, tragen wesentlich dazu bei. In simplem Englisch erzählt de Burg von Krieg, Frieden, Verständnis und der Liebe. Grundsätzlich vage wirft er dabei so schöne Schlüsselwörter wie Freiheit und Tod in den Raum, die aber im Kontext gar nichts bedeuten. Er simuliert grandios den politischen und altersweisen Barden, dem nichts Menschliches fremd ist. Das muss einem erst einmal gelingen. Insofern war das Konzert ein echter Triumph.<BR></P>

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