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Das Direktorium der Salzburger Festspiele (v.li.): Bettina Hering, Markus Hinterhäuser, Helga Rabl-Stadler und Florian Wiegand. 

Spielplan-Pressekonferenz des neuen Intendanten

Hinterhäusers Pläne für die Salzburger Festspiele

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Salzburg - Markus Hinterhäuser ist neuer Intendant der Salzburger Festspiele. Jetzt hat er seinen Spielplan für den Sommer 2017 präsentiert. Insgesamt sind an der Salzach 195 Vorstellungen zu erleben. 

Beinahe am Ende seiner Präsentation angelangt, erlaubt er sich einen Scherz – und da huscht endlich auch ein Lächeln über das Gesicht von Markus Hinterhäuser. Das Programm der Salzburger Festspiele 2017 sei eine „Ernte der Schlaflosigkeit“, bemerkt der neue Intendant – und wer ihn in diesem Moment sieht, erkennt, wie stolz ihn diese Ernte macht, wie viel Vorfreude sie weckt. Das neue Festspiel-Direktorium präsentierte gestern die Pläne für den ersten von ihm verantworteten Sommer. Bereits vergangene Woche hatte Schauspielchefin Bettina Hering Tobias Moretti als neuen Jedermann und Stefanie Reinsperger als seine Buhlschaft vorgestellt – sowie eine „kräftige Neuaufsetzung“ der Inszenierung von Brian Mertes und Julian Crouch angekündigt. Ein Versprechen, das sie nun wiederholte.

Festspielpräsidentin nimmt Bezug auf Donald Trump

Der Vormittag im Haus für Mozart hatte ernsthaft begonnen. Vor dem Hintergrund des Wahlsiegs von Donald Trump erinnerte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler an die Möglichkeiten von Kunst und Kultur: „Wir können zum Denken bringen.“ Hinterhäuser wird später konkretisieren: „Kunstwerke können uns helfen, die Welt zu lesen.“ Da diese Lektüre derzeit jedoch nicht immer einfach ist, hat sich der neue Intendant entschieden, in seinem ersten Salzburger Spielplan „Strategien der Macht“ zu untersuchen.

Im Musiktheater soll dies etwa mit fünf Opern-Neuinszenierungen geschehen: Zum Auftakt richtet der US-amerikanische Regisseur Peter Sellars „La clemenza di Tito“ ein; Teodor Currentzis übernimmt die musikalische Leitung. In Mozarts Oper, erklärt Hinterhäuser, gehe es um „Ungeheuerliches, ums Verzeihen“.

Anna Netrebko singt Aida

Simon Stone, der etwa für die Münchner Kammerspiele in der vergangenen Spielzeit „Rocco und seine Brüder“ auf die Bühne gebracht hat und dessen Filmadaption von Ibsens „Wildente“ gerade in unseren Kinos läuft, inszeniert Aribert Reimanns „Lear“. Der neue Intendant konnte Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, überzeugen, Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ (Regie: Andreas Kriegenburg) musikalisch zu leiten. Nina Stemme wird als Katerina ihr Rollendebüt geben. Gleiches gilt für Anna Netrebko als Aida. Verdis Oper, für Hinterhäuser ein „ganz fragiles Kammerspiel – mit Ausnahme der zwei gewaltigen Szenen“, wird die Fotografin und Filmemacherin Shirin Neshat inszenieren. Dirigent Riccardo Muti habe sich nur wenige Bilder der iranischen Künstlerin angeschaut – und sei sofort begeistert gewesen, berichtet der Intendant. Ebenso wie Neshat von Verdis Musik: „I can’t stop listening“ schrieb sie in einer SMS an Hinterhäuser, nachdem er ihr eine CD mit einer „Aida“-Einspielung Mutis geschenkt hatte.

William Kentridge inszeniert „Wozzeck“

Der Wunsch, über Grenzen hinweg neue künstlerische Wege zu gehen, zieht sich durchs gesamte Programm. „Wozzeck“ etwa wird vom Südafrikaner William Kentridge inszeniert, dessen Schaffen parallel zu den Festspielen mit Ausstellungen im Museum der Moderne und im Rupertinum gefeiert wird. Einen „echten Universalkünstler unserer Zeit“ nennt Hinterhäuser ihn.

Auch das Schauspielprogramm von Bettina Hering schert sich wenig um Genres: Wedekinds „Lulu“ inszeniert Athina Rachel Tsangari, deren Film „Chevalier“ im Februar für ihre Heimat Griechenland ins Rennen um den Oscar geht. Die Titelrolle besetzt die Regisseurin dreifach, schließlich habe die Figur „Ähnlichkeit mit den drei Grundelementen der Alchimie: Salz, Schwefel und Quecksilber“. Einen Part übernimmt Anna Drexler, die gerade ihren Abschied aus dem Ensemble der Münchner Kammerspiele öffentlich gemacht hat.

Außer den fünf Neuinszenierungen im Musiktheater-Programm übernimmt Hinterhäuser Händels „Ariodante“ von Cecilia Bartolis Pfingstfestspielen, die in Christof Loys Inszenierung auch auf der Bühne steht. Zudem gibt es Monteverdi dreimal halbszenisch („Orfeo“, „Ulisse“, „Poppea“) mit John Eliot Gardiner am Pult sowie Verdis „I due Foscari“ mit Plácido Domingo und Donizettis „Lucrezia Borgia“ mit Krassimira Stoyanova konzertant. „Sängerfeste“ seien das, sagt der Intendant, „die dem Publikum Freude machen sollen“. Die Feststellung, dass elf Opern-Produktionen in seinem ersten Salzburger Jahr auf dem Spielplan stehen, entlockt Hinterhäuser dann ein weiteres Schmunzeln: „Ich kann Sie beruhigen, das wird sich so nicht fortsetzen.“

Anna Drexler von den Münchner Kammerspielen ist als Lulu zu erleben

Traditionell steht das Sprechtheater an der Salzach etwas im Schatten der Musik. Doch Bettina Hering startet mit vier Neuinszenierungen ähnlich ambitioniert. Während die bereits erwähnte „Lulu“ auf der Perner-Insel in Hallein „bildgewaltig“ über die Bühne gehen soll, wird sich die „präzise Menschenbeobachterin“ Andrea Breth im Landestheater Harold Pinters „Geburtstagsfeier“ annehmen, eine Koproduktion mit der Wiener Burg. Ebenfalls in Hallein inszeniert Karin Henkel „Rose Bernd“ mit Lina Beckmann in der Titelrolle (Koproduzent: Schauspielhaus Hamburg). Gerhart Hauptmanns Figur leide unter vielen Umständen, denen auch heute noch zahlreiche „Alltagsheldinnen auf der ganzen Welt unterworfen“ seien, schlägt Hering den Bogen zu Hinterhäusers Fokus auf „Strategien der Macht“. Als „Volksstück“ im Wortsinn will die Schauspielchefin die Inszenierung von Horváths „Kasimir und Karoline“ durch das Regiekollektiv 600 Highwaymen verstanden wissen: Die New Yorker arbeiten im Mozarteum mit Laien und Profis.

Die „Ouverture spirituelle“ geht ins sechste Jahr – und habe es geschafft, „ihr Publikum zu finden“, berichtet stolz Florian Wiegand, der Konzertverantwortliche der Festspiele. 2017 steht Messiaens „La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ“ am Beginn. Außerdem ist im Konzertprogramm der Intendant als Pianist zu erleben: Zusammen mit Igor Levit interpretiert Hinterhäuser „Visions de l’Amen“ von Messiaen.

Doch ob am Klavier oder als Chef – Markus Hinterhäusers Credo für die Festspiele 2017 lautet: „Alles, was wir machen, hat einen offenen Ausgang. Und das finde ich gut so.“ Mehr noch: Er freut sich darauf.

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