Programmfehler bescherte Bach

- Es ist die klassische Albtraumsituation: Durch ein auch dem Veranstalter rätselhaftes Versehen wurde die Opuszahl für das Violoncellokonzert von Luigi Boccherini im Programmheft falsch abgedruckt, wodurch das Salzburger Mozarteums Orchester unter Leitung von Hubert Soudant und Solist Misha Maisky für ihr Gastspiel in der Münchner Philharmonie jeweils unterschiedliche Konzerte vorbereitet hatten. Zu spät bemerkte man den Fehler, nahm das Konzert aus dem Programm, und Maisky spielte statt dessen Johann Sebastian Bachs 1. Solo-Suite in G-Dur BWV 1007.

<P>In seinem Solo schaffte er es jedoch nicht, die Enttäuschung des Publikums zu überspielen und es in seinen Bann zu ziehen. Eingestellt auf ein unterhaltsames Boccherini-Konzert, dann jedoch mit der formalen Geschlossenheit der sechssätzigen Solosuite konfrontiert, was die Konzentration fordert, gingen die Hörer nicht mit. Viele Huster verrieten die Unruhe im Publikum.</P><P>Immerhin bei Joseph Haydns 1. Cellokonzert in C-Dur ohne anstrengende Strukturen, sondern unterhaltsam mit geistvoller Virtuosität in den Solopartien waren sich Orchester, Solist und Publikum einig. Doch blieb hier Maisky merkwürdig blass. Hubert Soudant gab im Kopf- und Mittelsatz ruhige Tempi vor. Sehr schön die dynamischen Schattierungen im Presto Finale. Eigenartig konturlos und teils verhuscht in den heiklen Passagen und Doppelgriffen war das Spiel von Misha Maisky. Mit seiner Zugabe zu Bach zurückkehrend, spielte er die Sarabande in c-moll allerdings klangschön.</P><P>Umrahmt wurden die Cellokonzerte von Mozarts mit schwungvoller Leichtigkeit und Esprit gespielten Ouvertüre zu "La Clemenza di Tito" und Tschaikowskys 4. Symphonie in f-moll. Viel Blech dominierte die Ecksätze, sehnsuchtsvoll das Oboensolo im zweiten Satz, wunderbar feinsinnig ausmusiziert vor allem das Scherzo, und Soudant nahm bei seinem Dirigat im Finale die Satzbezeichnung "Allegro con fuoco" ausgesprochen ernst.</P>

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