Des Propheten Honigstimme

- Es soll Menschen geben, die allein bei Nennung des Namens Xavier Naidoo panisch nach einem Magenbitter verlangen und am liebsten sofort "Sympathy for the Devil" von den Rolling Stones hören würden. Zugegeben: Naidoos süßlich-mystischer Christkindl-Kitsch will erst mal verdaut sein. Aber sonst?

Der Mannheimer ist mit Abstand der beste Soulsänger des Landes. Und die Texte kann man doch irgendwie überhören, zumal die Fans in der Münchner Olympiahalle einen höllischen Radau machen. Naidoo und seine zehnköpfige "Band, die Sorgen vertreibt und Krankheiten heilt", überraschen zunächst positiv: Griffiger, dynamischer Soul mit scharfen Bläsersätzen untermalt des Propheten Honigstimme, die ohne das lästige Gejodel auskommt, mit dem die meisten von Naidoos Kollegen auf den Nerven der Zuhörerschaft herumtrampeln. "Zeilen aus Gold" reitet darüber hinaus auf einem geradezu infektiösen Latin-Beat. Und dann gibt's da noch den Gast "Scratch", der als lebende Beatbox nur mit seiner Stimme ein rhythmisches Donnerwetter erzeugt. Alte Hip-Hop-Tradition.

Doch leider hat es auch Tradition, alle möglichen Gäste auf die Bühne zu zerren, was die Tatsache unterstreicht, dass Naidoo zwar über eine große Stimme verfügt, sonst aber so gut wie keine Präsenz hat und sich gerne im Ensemble versteckt. Die Gäste also quetschen aus ihren Stimmchen das Letzte heraus, geben lauwarme Freestyle-Raps zum Besten oder parodieren als "Reverend Luther Lovemachine" einen Gospel-Gottesdienst im Stil einer Büttenrede. Ist das jetzt Ironie?

Vielleicht ist aber auch einfach alles egal, Hauptsache diese Stimme hat etwas zu singen. Leider unüberhörbare Zeilen wie "Deinen Namen trägt mein Herz/ Dein Fehlen ist mein Schmerz/ So rein zu sein wie du/ Zeig' wie ich das tu'" ("Führ' mich ans Licht") weisen in diese Richtung. Gottlob klingt hier aber nicht alles wie aus dem Poesiealbum, und Naidoo salbt die Gemeinde am Ende mit der feinen Ballade "Ich kenne nichts". So kann man versöhnt nach Hause gehen, "Sympathy for the Devil" auflegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

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