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Wo der Prosecco kreist

- Wenn Monika Gruber heranrauscht -­ mit den obligatorischen 15 Minuten Verspätung, wie sie lachend und seufzend bekennt -­, dann überwältigt einen weniger die vermutete Natürlichkeit einer bayerischen, bodenständigen Künstlerin. Sondern eher die Ähnlichkeit mit der "Kellnerin Monique" aus dem ersten Kabarettprogramm oder mit einer Geistesverwandten aus dem Kosmetikstudio: Das Make-up ist scheinwerfertauglich, die Accessoires von Handtasche bis Handyschmuck scheinen der aktuellen Tagesform angepasst, und eine Parfümwolke setzt das Tüpfelchen auf das fast einsachtzig lange "i" der Monika Gruber.

Innerhalb von fünf Jahren ist die Schauspielerin via Fernsehen zum Kabarettstar avanciert. Dabei ist die gelernte Fremdsprachensekretärin aus dem kabarettistisch anmutenden, aber echten Tittenkofen bei Erding eine Spätberufene. Erst mit 27 ging sie auf die Schauspielschule, was "für mich als Kind von Bauern so nahe lag wie die bemannte Raumfahrt". Auf der Sollner Iberl-Bühne wurde Monika Gruber für den Bayerischen Rundfunk entdeckt, wo sie 2002 bei "Kanal fatal" anfing und inzwischen außerdem in "Die Komiker" und "Grünwalds Freitagscomedy" zu sehen ist. Heute bekommt die 35-Jährige ebenso wie der Schriftsteller Albert Sigl im Münchner Literaturhaus den Ernst- Hoferichter-Preis und wird von Kollege Andreas Giebel als Laudator geehrt.

"Die Schauspielschule lag für mich als Kind von

Bauern so nahe wie die bemannte Raumfahrt."

Monika Gruber

Es war ihre Erfahrung mit dem echten Leben, die die Jury der Schauspielschule Zerboni fürchterlich zum Lachen brachte. Obwohl Monika Gruber ihren alten Beruf längst als Zeitverschwendung empfand, ging sie so spontan zum Vorsprechen, dass sie nicht mal eine Rolle einstudiert hatte, sondern über ihren damaligen Chef bei der Computerfirma improvisierte. Das reichte, damit man an ihr Talent glaubte. Umso bedauernswerter findet sie, dass der privaten Schule nun die staatliche Förderung gestrichen werden soll. "Späteinsteiger wie ich hätten keine Chance mehr. Christine Neubauer, Lisa Fitz und Marcus Mittermeier wurden immerhin hier ausgebildet."

Zwischen Grubers ansteckender Herzlichkeit blitzt immer wieder die Dankbarkeit hervor, dass sie es geschafft hat, von ihrem Kindheitstraum zu leben. Dass ihre Eltern den Berufswechsel, das Kellnern neben der Schauspielschule, ihre lange "Selbstfindung", und ­- wie sie offen erzählt -­ ihre frühere Magersucht ertragen haben. Das will sie gern, statt einer "Nummer", bei ihrer Preisrede zum Thema machen. Falls sie rechtzeitig ankommt. Sonst müsse ihr Vater einspringen. Denn in dieser Woche dreht sie für den Pilotfilm von Franz Xaver Bogners "Das Rathaus", was sie sehr stolz macht.

Aufs Kabarett will sich Monika Gruber nicht unbedingt festlegen lassen. Und auf die Kellnerin Monique schon gar nicht, die sie bereits im zweiten Programm "Hauptsach‘ g‘sund" über Bord geworfen hat, "weil alles gesagt war und ich spätestens nach zwei Jahren das Gefühl habe, über das Programm rausgewachsen zu sein". Deshalb möchte sie im Sommer ihr drittes Solo schreiben. Die Themen, die der Gruber so durch den Kopf gehen, sind das TV-Horrorfilmprogramm der Weihnachtstage, alltägliche Gewalt und sinkende Hemmschwellen, ihre Zukunft als Single, "vielleicht in einer Weiber-WG, wo die Proseccoflasche kreist..."

Und wenn sie dann so nachdenklich wird, zeigt sich die hinter ihrem Temperament verborgene Sensibilität. Da erregt plötzlich eine riesengroße Elster draußen vorm Fenster der BR-Kantine ihre Aufmerksamkeit. Und sie erzählt von den geliebten Gerüchen und Geräuschen auf dem Land, wo sie immer noch lebt, und dass die Singvögel immer seltener werden. Erzählt vom Bauernhof ihrer Eltern, der bei Bedarf ihr Ort der Zuflucht und Geborgenheit ist. Und von der toten Oma, die ein schweres Leben hatte und jetzt ihr "Schutzengel" ist: "Ein bisserl habe ich das Gefühl, leben zu dürfen, was ihr verwehrt war. Ein bisserl mach‘ ich das für sie."

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