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Blick in den festlich geschmückten Goldenen Saal im Wiener Musikverein: Das Neujahrskonzert der Philharmoniker wurde in 92 Länder übertragen, in Deutschland vom ZDF.

„Prosit Neujahr“ im Walzertakt

Wien - Das Neujahrskonzert ist das schönste Geschenk, das ein Dirigent bekommen kann. Daniel Barenboim hat es nun zum zweiten Mal erhalten – und genossen.

Die ewige Schlussnummer, den „Radetzky-Marsch“, dirigierte der Maestro im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins überhaupt nicht – die Wiener Philharmoniker spielen den natürlich im Schlaf. Stattdessen ging der 71-Jährige durchs Orchester und bedankte sich von Pult zu Pult bei jedem Musiker persönlich mit Handschlag. Bei der Harfenistin sogar mit einem Kuss.

Etwa 50 Millionen Menschen in 92 Ländern haben gestern das wichtigste Konzert der Welt im Fernsehen verfolgt. Zum ersten Mal wurde dieses musikalische „Prosit Neujahr“ in Argentinien übertragen, Barenboims Geburtsland.

An Karten für dieses Ereignis zu kommen – die teuerste kostet rund 1000 Euro – grenzt an ein Wunder, aber das internationale Publikum war natürlich zur Stelle. Alles vom Feinsten: der überwältigende Blumenschmuck im Saal, den die 16 Kameras bis ins letzte Staubgefäß präsentierten, und die pfiffigen Ballettkostüme von Vivienne Westwood. Sie schwelgte in stoffreich-eleganten Ballerinen-Kostümen und hatte wie immer knackige Einfälle zum Schotten-Karo. Und Barenboim? Exzellent vorbereitet. Alles auswendig, trotz vieler auch für ihn neuen Nummern (die Familie Strauss – Johann, Josef und so weiter – scheint ja unerschöpflich). Er hielt das Orchester fest an der Kandare, präsentierte die Stücke wie unterm Vergrößerungsglas, versagte sich leider aber auch jenen wienerischen Hauch Schlendrian, der das Salz in der Suppe gewesen wäre.

Übrigens: 2015 soll Zubin Mehta das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren. Es wird sein fünfter Arbeitseinsatz an einem Neujahrstag an der Donau.

Beate Kayser

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