Protest-Aktionen werden folgen

- Münchens Staatstheater in Aufruhr. Halten sich möglicherweise aus taktischen Gründen die Intendanten von Gärtnerplatz- und Residenztheater, Klaus Schultz und Dieter Dorn, mit öffentlichen Äußerungen noch zurück, so ist Staatsopernchef Peter Jonas gestern vorgeprescht: mit einem Brief an alle CSU-Abgeordneten des Bayerischen Landtags.

<P>Bevor sich nämlich die Volksvertreter der Regierungspartei in der kommenden Woche zur Klausurtagung in Wildbad Kreuth versammeln, um die einzelnen, schwerwiegenden Sparmaßnahmen der Staatsregierung abzusegnen, sollen sie wenigstens von Seiten der Oper sachlich und kompetent informiert sein. Nämlich darüber, dass es erstens von erstaunlicher Unkenntnis zeuge, von einem Produktionsbetrieb wie es das Theater ist kurzfristig eine Einsparung von 3, 2 Millionen Euro zu verlangen. Und zweitens über die bereits geleisteten Sparsummen und die hohe Effektivität des Hauses.</P><P>Zu den Einzelheiten. Ende vergangenen Jahres nannte Kunstminister Thomas Goppel erstmals öffentlich die Summe, die von den Staatstheatern einzubringen sei: 4, 8 Millionen Euro in diesem Jahr. Die wurden unter Staatsoper, Gärtnerplatz- und Residenztheater ihren absoluten Ausgaben entsprechend folgendermaßen aufgeteilt: Ab 1. Januar hat das Residenztheater 940 000 Euro, das Gärtnerplatztheater etwas über eine Million Euro einzusparen und die Staatsoper 2, 8 Millionen Euro. Dazu kommen für die Staatsoper nochmals knapp 400 000 Euro, die sie in diesem Jahr weniger zur Verfügung hat, weil die Stadt München um diese Summe ihren Zuschuss an die Oper gekürzt hat. Das macht für Peter Jonas' Haus heuer also 3,2 Millionen Euro aus.</P><P>Das größte Problem der Kürzungen liegt darin, dass die Theater langfristig planende Produktionsbetriebe sind. Das heißt: dass für das eben begonnene Jahr - und bei der Oper noch weit darüber hinaus - alle Dispositionen getroffen sind, die Planungen im Einzelnen festliegen. Dabei betont jeder der drei Intendanten seine grundsätzliche Sparbereitschaft. "Wir können und wollen uns nicht weigern", heißt es in dem Opernpapier, "die notwendigen gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen, auch haushaltspolitischen, Änderungen mitzutragen".</P><P>"Bereits zum 1. Januar<BR>hätten 60 Mitarbeiter<BR>fristlos gekündigt werden<BR>müssen."<BR>Die Bayerische Staatsoper</P><P>Nur seien "überfallartige Haushaltsreduktionen bei uns aus juristischen und ökonomischen Gründen nicht zu realisieren". Und weiter ist aufgelistet: "Für eine Einsparung von 3,2 Millionen Euro hätten zum Beispiel bereits zum 1. Januar 2004 ca. 60 Mitarbeiter fristlos gekündigt werden müssen, wozu selbst der Sparbeschluss der Staatsregierung keine juristische Grundlage gäbe." Die Oper verweist in dem Brief zudem darauf, dass sie in jedem Jahr bereits entsprechende Beiträge geleistet habe: 1,5 Millionen im vergangenen Jahr. Denselben Betrag hatte sie für 2004 vorgeschlagen. Bei Gärtnerplatz- und Residenztheater verhält es sich ähnlich.</P><P>Betroffen von dem rigorosen Eil-Spar-Diktat Edmund Stoibers wären ja nicht nur die Theaterleute, sondern in den sehr gut bis gut besuchten Theatern (Staatsoper 600 000 Zuschauer im Jahr) selbstverständlich die Bürger. Langfristig ließe sich natürlich über die Reduzierung der Subventionen alles billiger machen. Aber, fragt Peter Jonas die CSU-Fraktion: "Oper für wenige oder Oper für alle?" Die Auswirkungen wären fatal - in wirtschaftspolitischer, in gesellschaftspolitischer und in kulturpolitischer Hinsicht. Die Staatstheater jedenfalls haben sich Aktionen vorbehalten.<BR></P>

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