Protzen und Trotzen

- Es ist ein freches Spiel mit den Kategorisierungen, den Vor-Urteilen - und es funktioniert, und zwar von der ersten Sekunde an. Das Publikum erwartet einen Türken in Deutschland, schließlich heißt der Künstler Bülent Ceylan, doch auftritt, im stampfenden Discolärm, "dä Harald aus Monnem (Mannheim)". Speckige Sportjacke, große "Gosch". Und wer auf diese Mundart steht, auf diese Art von (Brachial-)Komik und auf Kalauer ("Seit ich Delfin ess', kann ich besser flippern"), wird von nun an aus dem Lachen nicht mehr herauskommen. "Produzier' mich net!", heißt, in voll korrektem Dummdeutsch, Ceylans Programm, zu sehen nun in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft.

<P>Und natürlich enttäuscht der Mann aus Mannheim die Erwartungen nicht. Zu Harald gesellen sich bald Hassan, Arslan - und Manfred. (Gold-)Kette, Kappe, Kittel, "Bumbewasserzang'" (Rohrzange) - alles da. Das ist so platt, dass es schon wieder genial ist. Es geht fast pausenlos um Anmache, um die Verteidigung des Reviers in jeder Hinsicht, es wird geprotzt, gebalzt und getrotzt. Man kann das, mit viel Mühe, als beklemmende Rituale frustrierter Unterschichtler deuten, muss aber nicht. Und dann ist es ein Spaß, der viel unverkrampfter die Klischees hochnimmt, als es so manche "feinere" Gesellschaftskritik könnte. Der Rest ist Trash, sind Wortspiele im Willy-Astor-Stil ("Marseille, wie's weiter geht").</P><P>Dass das alles so gut ankommt, liegt an Ceylans direkter Art. Kompromisslos wickelt der Charmeur sein Publikum um den Finger, spielt mit ihm (Vorsicht in der ersten Reihe!), lässt Klappe und Körper von der Leine. Vieles wirkt so, als sei es ihm eben erst eingefallen, (fast) nichts bleibt ungesagt. Mut zum Risiko, der sich rentiert. Oder, wie Harald vielleicht sagen würde, "escht brutal!"</P><P>Bis 10. sowie 16. und 17. Januar, um 20 Uhr, Tel. 089/39 19 97<BR></P>

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