Provozierend schön

- Alles blüht und gedeiht, ein Glühen in leuchtendem Orange, flammendem Rot, sattem Lila. Blumen sind an sich schon eine verschwenderische Pracht der Natur, Margriet Smulders verstärkt das ganze noch. Sie drapiert Blüten auf Spiegeln, umhüllt sie mit Wasser, inszeniert sie zwischen Glasvasen. "Tulipomania" nennt sie diese prunkvolle Tulpenschau, die zwischen herrschaftlichem Anspruch von Bouquets und effektvoller Draperie angesiedelt ist. Unwillkürlich nehmen die stimmigen, feurigen Angelegenheiten gefangen. Eine sehr suggestive Sache, die sich Erika Wäcker-Babnik und Elka Jordanow für ihre zweite Ausstellung in der neuen Münchner Galerie für Fotografie ins Haus geholt haben.

<P>Nach einer Dokumentation über Obdachlosigkeit nun barocke Üppigkeit. Solche Gegensätze gehören laut Wäcker-Babnik zum Konzept: "Wir stellen uns bewusst dagegen, alles nur aus einer Sichtweise, beispielsweise gesellschaftskritisch oder politisch, zu zeigen. Da darf dazwischen ruhig wieder etwas provozierend schön sein. Dekoratives gab es in der Kunstgeschichte immer. Wir zeigen das aber nur, wenn Ernsthaftigkeit dahinter steckt."</P><P>Die Stillleben-Tradition des 17. Jahrhunderts hat Smulders zu ihren Neuinterpretationen von Schönheit und Vergänglichkeit, von Farbenrausch und Kleinod veranlasst. Die Malerin und Fotografin machte damit in den Niederlanden Furore, in Deutschland ist dies ihr erster Einzelauftritt. 1996 begann sie mit "Blumenporträts" in Glasvasen. Deutlich weibliche, erotische Komponenten schwangen bei der überquellenden Fruchtbarkeit mit. "Aber man kann nicht immer nur Erotik machen, das normale Leben gehört auch dazu", meint die aparte Frau lächelnd. 2002 kam durch einen Auftrag der niederländischen Botschaft in Ankara die neue Tulpenmanie ins Rollen. Die Völker und Religionen verbindende Kulturpflanze, ihre Farben und Ausformungen erleben nach historischen Hochzeiten ihre zweite Blüte in Smulders Fotografie. Erst komplizierte Konstruktionen und Tricks machen die Arrangements zu dem, was man nur durch die Kamera sieht: malerische Stillleben. Reminiszenzen an das Helldunkel eines Rembrandts spiegeln sich ebenso wieder wie die an den Götterhimmel.</P><P>Nach dieser Verführung zur Pracht darf man in der Fotogalerie wohl bald eine Gegenposition erwarten. Die Kunsthistorikerin Wäcker-Babnik und die Grafikerin Jordanow arbeiten seit fünf Jahren zusammen (u. a. Projektleitung Lange Nacht der Münchner Museen) und sorgen mit ihren verschiedenen Ansatzpunkten für neue Blickwinkel. Sie setzen auf Kooperation und wollen auch Fremdprojekte und Gastkuratoren willkommen heißen. Schwerpunkte der sechs Ausstellungen pro Jahr werden neben Münchner Fotografien vor allem Arbeiten aus Osteuropa sein, im Zuge der Integration der neuen EU-Länder. Aus dem internationalen Spektrum will das Duo "nicht Trends bedienen, sondern eigenständige Positionen zeigen, die Qualität haben". Dass sie ihre Galerie gerade in Krisenzeiten aufmachen, ist eine Kombination aus Mut und Begeisterung: "Man muss gegenläufig sein. Man muss zeigen, dass aus dem ganzen Gejammere auch wieder etwas erwächst. Wir setzen ein Zeichen, dass es weitergeht." </P>Bis 20. März. Wäcker & Jordanow. Galerie für Fotografie. Gollierstr. 17. Di., Do. 10-17, Mi. bis 21, Sa. 11-14 Uhr. Tel. 089/ 50 07 89 39.

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