Peter "Eingehängt" Meyer im Gespräch mit Redakteur Anton Renner.

PUHDYS kommen nach München

München - Man muss nicht „Alt wie ein Baum“ sein (so einer ihrer Titel), um die PUHDYS zu kennen. Ostdeutschlands Rock-Band Nummer 1 ist mittlerweile auch im Westen weit mehr als nur ein Geheimtipp.

Wer die PUHDYS-Konzerte kennt, weiß um ihre Gewaltigkeit. Hier gibt es immer Rock ungeschminkt, grandiose Musikgewitter voll geballter Energien, die die Bühnen zittern lassen. Doch die PUHDYS können auch anders – gefühlvoll, einfühlsam und ans Herz gehend. Und so „soft“ kommt die Band Ende November nach München. Am Freitag, 30. November, spielen die PUHDYS in der Tonhalle ein Akustik-Konzert. Die Besucher dürfen sich besonders darauf freuen, dass es auch Titel der am 23. November erscheinenden CD „Es war schön“ zu hören gibt.

Die Freude auf das München-Konzert ist bei den PUHDYS groß, wie Peter „Eingehängt“ Meyer vor einem Konzert in Sachsen im Gespräch mit merkur-online betonte. Denn gerade im Großraum München leben viele Sachsen, für die die Band Kult ist. Aber auch die Münchner wollen die PUHDYS begeistern. So bekannt wie der FC Bayern in Sachsen ist, sind die PUHDYS in Bayern (noch) nicht, „aber das kann ja noch werden“, lacht Meyer. 70 bis 80 Konzerte spielen Dieter „Maschine“ Birr (Gitarre, Gesang), Dieter „Quaster“ Hertrampf (Gitarre, Gesang), Peter „Eingehängt“ Meyer (Keyboards, Saxophon), Peter „Bimbo“ Rasym (Bassgitarre) und Klaus Scharfschwerdt (Schlagzeug) im Jahr. Und das seit über 40 Jahren. „Andere Leute arbeiten ja viel mehr“, kommentiert Meyer die Frage, wie das neben Fernsehauftritten, Interviews und CD-Produktionen zu schaffen ist. Das wichtigste ist für Meyer: „Es macht und gewaltig Spaß. Und das schon über 40 Jahre lang!“ In dieser Zeit haben die PUHDYS über 500 Songs veröffentlicht. Sie waren einige der wenigen DDR-Bands, die auch Konzerte im westlichen Ausland geben durften.

Wer aus dem Westen stammt, und die alten Lieder der Band hört, der ist vor allem von den Texten beeindruckt. Geschickt verklausuliert wird in vielen Songs der Ruf nach Freiheit, das Aufbegehren gegen Grenzen, thematisiert. „Wir wussten natürlich, dass es Tabus gab, etwa Lieder über die Mauer zu machen oder über die Umwelt. Die DDR-Bürger hatten aber gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen und zu hören. Und so haben wir beispielsweise damals das Lied ,Ikarus´ gemacht. Da geht es um Fliegen, und so haben die Leute damit Freiheit assoziiert.“ Totzdem, so sagt Meyer, stand der Spaß an der Musik im Vordergrund. „Wir wollten keine Revolution machen.“ Doch noch vor dem Mauerfall veröffentlichte die Band den Song "Neue Helden" – und der ließ sich als drastische Regimekritik lesen: Die Welt brauche "lang ersehnte Drachentöter" gegen den "bösen Drachen" der Verhetzung und des Machtmissbrauchs, hieß es da. Und damals wie heute wird die Band eben wegen ihrer Sicht auf die Dinge des Lebens geliebt: und die hat viel mit Ehrlichkeit, Identität und Integrität und mit Widerstand gegen Vereinnahmung zu tun.

Bemerkenswert ist, dass die Band, deren Mitglieder allesamt zwischen 60 und über 70 Jahre alt sind, auch junge Leute begeistert. Zu den Konzerten kommen oft mehrere Generationen aus einer Familie. „Bei manchen Bands werfen die Fans Slips und BHs auf die Bühnen. Bei uns landen mittlerweile schon Zahnspagen“, amüsiert sich Meyer. Das liege daran, dass die Band musikalisch „immer neue Sachen“ mache.

Die PUHDYS haben seit ihrem Bestehen tausende Konzerte gespielt und Millionen Platten verkauft. Eines der Erfolgsgeheimnisse ist sicher Dieter "Maschine" Birr, der Kreativkopf der Band, dem immer etwas Neues einfällt – und diese Musik den Geschmack der Fans trifft. Sie singen von alltäglichen Freuden und Sorgen, von Liebe und Sehnsucht, geplatzten Träumen und von Wut im Bauch. Hinzu kommt, dass es den PUHDYS einfach Spaß macht, auf der Bühne zu stehen. Und die Band ist nicht abgehoben – die Musiker suchen den Kontakt zum Publikum, lassen sich nach Konzerten oft mitten unter den Fans sehen und reden mit ihnen. Die Band nimmt ihre Fans ernst, und nicht sich selbst.

Zusammen spielen wollen die PUHDYS bis zur „Rockerrente“, wie einer ihrer Songs heißt. Meyer: „Wir machen weiter, so lange wir gesund bleiben und so lange es uns und den Leuten Spaß macht.“ Und Spaß machen wird es den PUHDYS auch in München. Denn sie freuen sich nicht nur auf ihre Fans – sondern auch auf das „vorzügliche Münchner Bier“.

Anton Renner

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