Pulitzer-Preise für "Washington Post", Bob Dylan und Saul Friedländer

New York - Die amerikanische Tageszeitung "The Washington Post" ist die große Gewinnerin des diesjährigen Pulitzer-Preises. Das renommierte Blatt erhielt am Montag in New York sechs von insgesamt 15 Journalistenauszeichnungen, darunter die Goldmedaille für eine Reportage über die schäbige Behandlung von verwundeten Kriegsheimkehrern in einem US-Militärhospital.

Im Bereich Kunst ehrte die Jury der Columbia Universität die amerikanische Musiklegende Bob Dylan mit einem Sonderpreis. Die Juroren würdigten damit den "weitreichenden Einfluss" des 66-Jährigen auf die Popmusik und die amerikanische Kultur. Der israelische Historiker Saul Friedländer, im vergangenen Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, erhielt für den zweiten Teil seiner Nazi-Studie "Das Dritte Reich und die Juden" den Sachbuchpreis.

Der begehrte Literaturpreis ging an den 39-jährigen Schriftsteller Junot Diaz, einen Amerikaner dominikanischer Abstammung, für seinen Debütroman "The Brief Wondrous Life of Oscar Wao". Die mit jeweils 10000 Dollar (rund 6400 Euro) dotierten Pulitzer-Preise werden Ende Mai in New York überreicht.

Die sechs Auszeichnungen für die "Washington Post" sind fast ein Rekord. In der 92-jährigen Geschichte des Preises hatte nur die "New York Times" im Jahr 2002 mit sieben Zuschlägen einmal mehr - diesmal langte es nur zu zwei Preisen. Die diesjährige Goldmedaille ging an die "Post"-Journalistinnen Dana Priest und Anne Hull sowie ihren Fotokollegen Michel du Cille. Mit ihrer Aufdeckung der Zustände im Militärkrankenhaus Walter Reed in Washington hatten sie einen Aufschrei der Empörung ausgelöst und Reformen angestoßen.

Weitere Auszeichnungen bekam die "Washington Post" für die umfassende Aufarbeitung des Massakers an einer Schule in Virginia im April 2007, für eine Serie über private Sicherheitsdienste im Irak (Steve Fainaru) sowie für ihre brillante Analyse von Vizepräsident Dick Cheney als Strippenzieher in Washington (Jo Becker und Barton Gellman). Auch der Featurepreis (Gene Weingarten) und der Kommentarpreis (Steve Pearlstein) gingen an Journalisten der "Washington Post". "Der Bericht vom Ort des Geschehens ist immer noch wichtig", befand das Blatt. "Er kann nicht einfach billig durch irgendein anderes Informations-Verteilungssystem ersetzt werden."

Die "New York Times", das Flaggschiff des liberalen US-Journalismus, konnte mit Amy Harmons packender Untersuchung über das ethische Dilemma von DNA-Tests in der Kategorie Erklärender Journalismus punkten. Der Preis für investigativen Journalismus wurde doppelt vergeben: Walt Bogdanich und Jake Hooker von der "Times" gewannen ihn für ihre Recherche über Giftstoffe in Importen aus China, die zu Razzien bei amerikanischen und chinesischen Verantwortlichen führte. Die Zeitung "The Chicago Tribune" bekam die Ehrung für einen Bericht über fehlerhafte Auflagen für Spielzeug und Kindersitze.

Weitere Preise erhielten die Zeitungen "Milwaukee Journal Sentinel" (Lokales), "The Boston Globe" (Kunstkritik) und "Investor's Business Daily" (Politische Karikaturen). Die Fotopreise holten sich Adrees Latif von der Nachrichtenagentur Reuters (Aktuelles Bild) und Treston Gannaway von der Zeitung "Concord Monitor" (Featurefoto).

In den Kategorien Literatur und Musik wurde der Lyrik-Preis doppelt vergeben - an Robert Hass für seine Gedichtsammlung "Time and Materials" sowie an Philip Schultz für seinen Band "Failure". Der Bühnenautor und Schauspieler Tracy Letts (42) erhielt die Ehrung für seine tragikomische Familiensaga "August: Osage County". John Matteson punktete in der Kategorie Biografie mit seiner packend geschriebenen Lebensgeschichte über eine amerikanische Jugendbuch-Autorin im 19. Jahrhundert "Eden's Outcasts: The Story of Louisa May Alcott and Her Father".

Insgesamt wird der Pulitzer-Preis in knapp zwei Dutzend Kategorien verliehen. Er ist nach seinem Stifter, dem in Ungarn geborenen amerikanischen Journalisten und Verleger Joseph Pulitzer (1847-1911), benannt und gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für amerikanische Journalisten und Schriftsteller.

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