Der Pulverdampf ist verraucht

Friede, Freude, Eierkuchen: Jetzt herrscht erst einmal Ruhe in Bayreuth, nachdem der Stiftungsrat der Wagner-Festspiele sich wie berichtet für die Halbgeschwister Eva Wagner-Pasquier (63) und Katharina Wagner (30) ausgesprochen hat. Und Stiftungsrats-Geschäftsführer Toni Schmid kann sich gelassen zurücklehnen.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass man in Bayreuth jetzt wieder zur Tagesordnung übergehen kann", sagt voller Zuversicht Toni Schmid, jener Mann aus Thomas Goppels Kunstministerium, der von München aus zwar nicht die Strippen zog, aber die Fäden fest in der Hand hielt, als Woche für Woche, Tag für Tag die Frage nach der Nachfolge auf Wolfgang Wagners Thron immer heißer und irrwitziger diskutiert wurde. Schmid optimistisch: "Der Pulverdampf der Medien, die sich benehmen wie im Haifischbecken und nach Fleisch schreien, ist verraucht."

Nun kann er auch sprechen über die ungleichen, bis vor kurzem sich fremden Schwestern, die jetzt ein Tandem bilden. "Das sind natürlich zwei Welten. Doch ich habe den Eindruck gewonnen, dass es ein sehr vertrauensvolles Miteinander-Umgehen ist." Ja, Eva Wagner-Pasquier war für alle die absolute Wunschkandidatin. Toni Schmid erinnert daran, dass es ja schon 2001 einen einstimmigen Beschluss zugunste Evas gab. "Sie kennt einfach alle. Sie hat einen sehr guten Überblick, weiß, was überall läuft. Ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Und sie ist auch menschlich eine sehr erfreuliche, reife Persönlichkeit, die gut mit anderen Menschen arbeiten kann." Dass die Halbschwester etwa so alt ist wie ihr Sohn, könne hier nur von Vorteil sein: "Katharina hat jetzt sieben Jahre Zeit - so lange laufen die Verträge -, an der Seite von jemandem zu lernen, der eine so große Erfahrung hat. Danach besteht immer noch die Option, dass auch über 2015 hinaus die Bayreuther Festspiele von ,einer Wagnerin’ geleitet werden."

Toni Schmid weiß die Verwandtschaft mit dem Komponisten nicht hoch genug einzuschätzen: "Wir haben lebendige Wagners - das müssen wir uns immer wieder bewusst machen. In Salzburg exhumieren sie Skelette, um nach der Schwiegermutter von Mozart zu suchen."

Was sind die nächsten Schritte? "Jetzt verhandeln wir die Verträge. Sie sind auf sieben Jahre ausgerichtet. Bis 2015 stehen ja die Positionen bereits fest. Was die Sänger angeht, wird Eva Wagner-Pasquier noch kräftig nacharbeiten. Danach müssen wir fragen: Wie machen wir weiter? Denn dann ist Eva siebzig. . ." Ein Datum, das Toni Schmid aber nicht wirklich schreckt, denn Christian Thielemann hat sich langfristig an Bayreuth gebunden: "Was kann uns Besseres passieren, als dass der derzeit weltbeste Wagner-Dirigent bis 2018 jedes Jahr auf dem Grünen Hügel dabei ist. Mit einer Ausnahme: 2011. Da leitet er bei den Salzburger Festspielen Richard Strauss' ,Frau ohne Schatten’."

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