Pummeliger Held

München - Die Geschichte hat man in unzähligen Kung-Fu-Filmen gesehen: Ein Außenseiter wird durch hartes Training und mentale Führung zu einem souveränen Kung-Fu- Meister, der im entscheidenden Duell den scheinbar übermächtigen Bösewicht doch noch besiegt. Auch "Kung Fu Panda" zeigt so einen schlichten Action-Entwicklungsroman. Originell ist die Form: Die Saga präsentiert sich als Computeranimation mit einem pummeligen Panda als Helden.

Die Animation "Kung Fu Panda" ist unterhaltsam, aber keine Edel-Produktion aus dem Rechner

Seit den sensationellen Erfolgen der Computeranimationen aus dem Hause Pixar galten digitale Zeichentrickfilme als krisenfeste Hits im unberechenbaren Kinogeschäft. Aber das Überangebot hat das Publikum kritischer werden lassen und die Studios unter Druck gesetzt. Computeranimationen sind teuer, die Konkurrenz groß. Mit "Kung Fu Panda" will Dreamworks nun an alte Erfolge wie "Shrek" anknüpfen, aber das funktioniert nur bedingt. "Shrek" war noch das Kunststück gelungen, ein junges Publikum anzulocken und gleichzeitig Erwachsene mit doppelbödigem Witz zu unterhalten. "Kung Fu Panda" richtet sich mit plüschigen Tiercharakteren, viel Klamauk und vorhersehbaren Gags eindeutig an Kinder. Für die Erwachsenen gibt es ein paar Anspielungen auf Genre-Klassiker, aber das war es auch schon. Natürlich ist das technisch alles hochwertig und visuell brillant. Insbesondere die ausgefeilten Kampfszenen bestechen mit einer wilden Mixtur aus naturgetreuen Bewegungsabläufen und skurrilem Slapstick. Auch wenn das alles sehr kurzweilig unterhält, kommt "Kung Fu Panda" nie so recht in Schwung.

Natürlich ist der Film komisch und erfüllt im Großen und Ganzen seinen Zweck. Dennoch hinterlässt er einen etwas unbefriedigt. Und das liegt natürlich an den hohen Erwartungen, die Edel-Produktionen aus dem Rechner mittlerweile wecken. Gemessen an modernen Klassikern wie etwa "Findet Nemo" wirkt "Kung Fu Panda" einfach zu harmlos, fast schon bieder. Das anarchische Potential, die totale Freiheit, die Animationsfilme bieten, werden nie genutzt. Aber genau die subversiven, gelegentlich surrealen Einschübe hatten den Charme von Meilensteinen wie "Findet Nemo" ausgemacht. "Kung Fu Panda" fehlt die Seele, der Esprit, die ein Meisterwerk braucht - auch und gerade für einen Film, der im Computer entstanden ist. (In München: Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Leopold, Cadillac, Rio, Rex, Autokino, Cinema und Museum OV, Filmeck, Kino Solln.)

"Kung Fu Panda"

mit Hape Kerkeling, Cosma Shiva Hagen, Bettina Zimmermann u.a. als deutsche Stimmen

Regie: Mark Osborne,

John Stevenson

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