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Operette aus dem Bilderbuch: Daniel Prohaska als Mister X und Alexandra Reinprecht als Fürstin Fedora.

Premierenkritik:

"Zirkusprinzessin" im Krone: Pure Unterhaltung

München - Gärtnerplatz-Chef Josef E. Köpplinger inszenierte Kálmáns „Zirkusprinzessin“ im Münchner Krone-Bau. Eine Premierenkritik.

„Wenn du mich sitzen lässt, fahr ich nach Budapest“. So unsinnig, aber eingängig redet man in der guten alten Operette. Warum auch nicht? Immer wieder wird dieses Genre totgesagt, strampelt aber munter herum, wenn einer ohne Skrupel daran geht und sich nicht schämt für die pure Unterhaltung (obwohl es doch so viel Schlimmes gibt auf der Welt). So einer ist der Köpplinger Josef, Intendant des Gärtnerplatztheaters. Und da er mit seiner Truppe ja ohnehin auf der Wanderschaft ist, bis sein Haus wieder fertig ist, schlägt er diesmal zwei Fliegen mit einer Klappe: Er versucht die Ehrenrettung der immer unterschätzten Kálmán-Operette „Die Zirkusprinzessin“, die zwar bei der Wiener Uraufführung 1926 heftig akklamiert wurde, später aber im Schatten der beiden anderen Damen („Gräfin Mariza“ und „Csárdásfürstin“) stand, und er tut das auch noch am authentischen Ort: dem Münchner Circus Krone.

Das gibt Köpplinger als Regisseur den Freibrief, das Thema Circus von oben bis unten durchzudeklinieren. So bunt, so voll, so artistisch war seine Theaterbühne nie, und der Jubel des ausverkauften Hauses bewies, wie gut das ankommt. Los geht’s lange, bevor es losgeht: Clowns, Tänzerinnen, Spaßmacher turnen herum improvisieren Streck- und Aufwärmfiguren, werden aber auch den ganzen Abend über in der Choreografie von Karl Alfred Schreiner nah am Spiel gehalten. Der Clou sind die lebensgroßen Puppen, denen der Partner beim Tanz mit der Hand die Füße setzt.

Es zeigt sich, dass Kálmán musikalisch auch in der „Zirkusprinzessin“ auf seiner Höhe ist. Ein paar Nummern kennt man aus dem Wunschkonzert („Zwei Märchenaugen“). Die Melodien flogen ihm auch hier zu. Ähnlichkeiten mit der „Mariza“? Und wenn schon. Das ist bei den großen Opernkomponisten nicht anders. Schwächeln tut eher das Stück selber, seine krause Handlung, obgleich Köpplinger da nochmal drüber gegangen ist.

Es geht wieder um Liebe. Echte, vorgetäuschte und wieder aufflammende. Standesunterschiede, Erbschleicherei spielen mit. Bis das alles aufgelöst ist, dauert es ein bisschen zu lange, aber es kommt ja auch viel mehr auf die Darsteller und das Spielklima an. Und da sind manchmal die kleinen Rollen entscheidend. Wie gut und richtig, dass sich Köpplinger immer wieder den Erfahrungsschatz solcher alter Theaterhasen wie Franz Wyzner und Gisela Ehrensperger zunutze macht. Die haben die Bühnenpräsenz im kleinen Finger. Auch in der Winzrolle des Portiers hat ein Urgestein wie Fritz Graas, über 50 Jahre am Haus, eine andere Wirkung als irgendein nur auf den Stuhl Gesetzter.

Daniel Prohaska als rätselhafter Mister X, stimmlich blendend in Form, hat an körperlicher Leichtigkeit und Eleganz noch gewonnen. Seine Fürstin Fedora (Alexandra Reinprecht) in ihren schönen Kleidern (Marie-Luise Walek) belässt es bei der Operettendiva aus dem Bilderbuch, um die sich auch der zuverlässig intrigante Prinz Sergius Wladimir (Erwin Windegger) bemüht.

Das Buffo-Paar ist bei der quirligen Nadine Zeintl, die sogar einen Schwips hinkriegt, und dem inständigen Otto Jaus gut aufgehoben. Für den Oberkellner Pelikan wurde sogar der Direktor der Wiener Volksoper, Robert Meyer, geholt. Er legt eine ur-wienerische, an Hans Moser geschulte Rollenstudie hin. Ihm zur Seite die resolute Hotelbesitzerin von Sigrid Hauser. Der kurzfristig eingesprungene Dirigent Karsten Januschke macht kräftige Zirkusmusik. Dass mit einem Orchester hinter den Sängern auch mal was schief geht, wiegt hier leichter als im Orchestergraben. Viel wichtiger, dass er schnell wieder auf Linie ist.

Vorstellungen: bis 30. Juli, dann wieder im September;Telefon 089/ 2185-1960.

Beate Kayser

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