Puschkin, Placebo und die arme Susi

- Was "an diesem Abend passiere, sei "schnell erklärt", behauptet Andreas Giebel, und bevor man sich fragt, wann's denn beginnt, ist man schon mitten drin. Kein "richtiger" Anfang, keine Inszenierung stört den (Rede-)Fluss, der Kabarettist ist ganz er selbst, wenn er sein Publikum in "seine" Geschichte hineinzieht. Und wie aus dem Nebel des kollektiven Gedächtnisses tauchen die Typen auf, die man alle "irgendwie" kennt und die der Münchner nun liebevoll ins Rampenlicht zerrt.

<P>"Der Sonne entgegen" heißt das allerneueste Solo des 45-Jährigen, erstmals zu sehen nun im Lustspielhaus, ein Streifzug durch die Metropole, vom Viktualienmarkt zur Pinakothek der Moderne und in diverse Wohnungen, in denen "befreundete Ehepaare" gemeinsam kochen, um nicht über ihre Beziehungen reden zu müssen. Bizarre Biografien stehen im Mittelpunkt, referiert von einem Menschenkenner, der seine Figuren nie denunziert - Puschkin, der melancholische Philosoph, Placebo, der keine Chance bei Frauen hat und sie trotzdem nutzt, ein gewisser Elmar, der diverse Schicksalsschläge abbekommen hat. Und der Andi ist auch noch da.<BR><BR>Das Bier ist das Benzin, die Lebenserfahrungen und das (Halb-)Wissen seiner Geschöpfe sind der Motor, der diese Plauderei vorwärtstreibt. Das wäre alles ziemlich banal, verstünde es Giebel nicht so perfekt, im Einzelfall das Allgemeingültige zu orten und seine Erzählungen gekonnt ins Aberwitzige driften zu lassen. Und so dient der Fahrradunfall des armen Elmar, dem Trambahngleise zum Verhängnis wurden, als Illustration des Effekts, dass Scheitern droht, sobald man sich seiner Fähigkeiten bewusst wird. Der Wille, die Welt zu ordnen, wohnt allem Reden inne - bei Giebel gipfelt das in dem genialen Phantom eines Buches mit dem Titel "Um was geht's eigentlich?", in dem "alles drinsteht" (beispielsweise: "Leben" - "widerspricht allen Regeln"). <BR><BR>Ein Altruist, der "Susi" rettet, nur weil er ein Motorrad irrtümlich für eine geknechtete Frau hält. Ein Engel, obwohl er's auch nicht leicht hat. Das lässt hoffen - und sei es auf die "eigentliche Geschichte" . . .</P><P>Bis 1. 11., außer Sonntag und Montag, um 20.30 Uhr, Tel. 089/ 34 49 74.<BR></P>

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