Im Putzzimmer

- Warum sollte es bei den Chorwerken anders als bei der Oper oder im instrumentalen Bereich sein? Der frühe Richard Strauss ist einfach wagemutiger, neutöniger als der späte Meister, der's in den Partituren nur noch süßlich biedermeiern ließ, während sich um ihn herum Europa verfinsterte. Den Beweis führten bei den Garmisch-Partenkirchener Strauss-Tagen Michael Gläser und sein BR-Chor, die rechten Partner also für derart Diffiziles wie "Hymne" oder "Der Abend".

<P>Als ob er mit experimenteller Harmonie und symphonischem Gestus barocke Mehrchörigkeit beschwören wollte, so begegnet uns Strauss in diesen Stücken - die sich im Falle des "Abends" gar zur 16-Stimmigkeit versteigen. Bewunderungswürdig, mit welcher Präzision, mit welch genau profiliertem Ausdruck der Chor diese Eckwerke des Programms sang, das ausschließlich Rückert-Vertonungen enthielt. Kleine Trübungen oder Unebenheiten gingen aufs Konto des Festsaals Werdenfels: Diese gnadenlos trockene Akustik verzeiht nichts, ist im Grunde auch vokalfeindlich.<BR><BR>Die drei Männerchöre aus dem Jahre 1935, von den BR-Herren mit dezentem Humor und sehr textorientiert gestaltet, verbreiteten Liedertafel-Stimmung. Die "Göttin im Putzzimmer" ist vor allem dankbares Chor-Futter: Von Presto-Plappern bis Pathos bietet sie allerlei Effektvolles, was das Ensemble auch gern auskostete.<BR><BR>Dazwischen Strauss-Lieder, die Fritz Schwinghammer am Klavier mit Pastellklängen begleitete. Gérard Kim, Sieger des jüngsten ARD-Wettbewerbs, sang fast akzentfrei, ganz auf die Wirkung seines Baritons bedacht, blieb so eine Spur zu neutral. Auch Andrea Lauren Brown (zweiter Preis) wird sich den Strauss-typischen, schwärmerischen Ton noch erarbeiten - ihr heller, soubrettiger Sopran, der sich dramatisch weiten kann, bietet dafür gute Voraussetzungen. Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz vergaß, dass er eigentlich nicht Mittelpunkt des Abends war - das gut gelaunte Publikum hat's wohl verschmerzt.<BR>Markus Thiel</P><P>Das Konzert wird morgen, 19. Juni 2004, 20 Uhr, dieses Mal mit Bariton Günter Papendell, im Prinzregententheater wiederholt.</P>

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