Puzzle mit Picasso

- So nahe kommen sie sich selten: der Picasso dem Baumeister, der Miró dem Geiger, der Dix dem Mataré. Nur wenige Zentimeter trennen die großen Namen, und man betrachtet nie den einen ohne den anderen. Bis ihre Versteigerung im Münchner Haus der Kunst beginnt. Eine atemberaubende Phalanx hat sich hier für fünf Tage (die Besichtigung beginnt heute um 18 Uhr) zu einem sensationellen Familientreffen zusammengefunden: rechts die Figurativen, links die Abstrakten, ein konträres Puzzle von 1300 Positionen der Nachkriegszeit, in Malerei, Grafik und Skulptur. Was sie verbindet, ist das Haus der Kunst, denn fast alle stammen aus der hiesigen "Großen Kunstausstellung", begründet 1949, als es in München erst eine Handvoll Galerien gab. Von hier aus gelangten sie in die Sammlung der 1954 zur Künstlerförderung gegründeten Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst (GdF).

"Jetzt, wo man sie alle sieht in dieser Formation, ist es schon ein bisschen traurig, dass die Kunstwerke uns verlassen", gesteht Günther Engler vom Vorstand der GdF, man habe die Sammlung ja nie vor Augen gehabt. 900 Kunstwerke befanden sich bei Leihnehmern, Mitgliedern der Gesellschaft: Privatpersonen, Museen, Firmen. 800 warteten gedrängt im Depot. "Aber jetzt ist die Entscheidung gefallen, jetzt wird versteigert!" Notgedrungen, denn die Gemeinnützigkeit der GdF stand in Frage. Die Versteigerung durch das Münchner Auktionshaus Neumeister war die einzige Möglichkeit, einem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zu entgehen. Ihr Erlös wird der Ausstellungstätigkeit im Haus der Kunst zugute kommen. Einige Kunstwerke seien nicht mehr auffindbar, berichtet Engler. Sie seien von ihren Leihnehmern verschenkt worden; in anderen Fällen hätten die Erben nichts von ihnen gewusst. Hier wurden Schätzpreise als Entschädigung gezahlt. Die Hälfte aller Leihnehmer hat gleich von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht: für insgesamt fast 500 000 Euro.

Auch die Sichtung des Depots gestaltete sich nicht einfach: "Eine bemerkenswerte Stimmung", berichtet Katrin Stoll, die verantwortliche Auktionatorin, "kein Licht, keine frische Luft und lange Gänge". Für sie sei es atemberaubend und herausfordernd gewesen, in den Dimensionen des Museums zu arbeiten. Obwohl dafür erst die gesamte Infrastruktur von Neumeister ins Haus der Kunst übertragen werden musste.

Der museale Auktionsort adle die Objekte, sind sich alle Verantwortlichen einig. Wenngleich die vielen aben teuerlichen Provenienzen schon für sich selbst sprechen: "Tate Gallery" steht auf den Rückseiten, "Chicago" oder "Casablanca". Das teuerste Stück aber stammt "von nebenan": Als eine der 15 Leihgaben an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befindet sich Gerhard Richters "Dschungelbild" (1971) im Katalog der Pinakothek der Moderne, 1981 für 40 000 Mark erworben und heute geschätzt auf 600 000 Euro.

Entdeckungen gibt es viele, zum Beispiel der schöne Picasso-Linolschnitt "Buste de Femme au Chapeau". Bemerkenswert sei auch, so Stoll, die große Zahl der rund 200 Skulpturen, von Rudolf Belling bis Horst Antes. Kunstexpertin Gabriele Schmid betont zudem den durchgehend hohen Standard der kulturhistorisch so bedeutsamen Sammlung. Die Auktion beginnt mit ihren Höhepunkten am 9. Oktober (Schätzpreis insgesamt: 2 088 400–2 888 300 Euro); am Dienstag folgt der "Löwenanteil". Stoll rechnet mit Bietern aus der ganzen Welt: "Etwas Vergleichbares hat noch nie stattgefunden und wird wahrscheinlich auch so schnell nicht wieder stattfinden!" Eine einzigartige Gelegenheit.

Besichtigung: 5. (18-22 Uhr), 6., 7. (10-20 Uhr), 8. (10-18 Uhr), 9. (10-12 Uhr) Oktober. Auktion: 9. (19 Uhr) und 10. (10.30 und 15 Uhr) Oktober. 089/ 22 26 54; www. freunde- hausderkunst-auktion.de.

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