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Seit 60 Jahren erfolgreich: das Pixi-Buch.

Bekannte Autoren schreiben im Mini-Format

Quadratische Märchen: Das Pixi-Buch hat Geburtstag

München - Quadratisch, praktisch, pädagogisch wertvoll: Die Pixi-Bücher des Carlsen Verlags gehören mit über 2000 Titeln und einer Gesamtauflage von 450 Millionen Exemplaren zu den beliebtesten deutschsprachigen Vorlesebüchern. Heuer werden sie 60.

Jedes Pixi-Buch ist zehn mal zehn Zentimeter groß, hat 24 Seiten, kostet nur 99 Cent, und auf der Umschlaginnenseite können Buben und Mädchen ihren Namen eintragen. Auf der Rückseite des Heftchens gibt Waldkobold Pixi außerdem den Lesern Bilderrätsel auf. Anlässlich des Jubiläums veröffentlicht Carlsen Geschichten von acht Schriftstellern im Mini-Format. Wir stellen die Werke der Reihe „Große Autoren gratulieren Pixi“ vor.

Cornelia Funke: „Die geraubten Prinzen“

Cornelia Funke

Bei ihrer „Tintenwelt“-Trilogie schrieb Cornelia Funke für den ersten Teil über 500 Seiten, in „Die geraubten Prinzen“ muss sie ihre Geschichte auf 24 Seiten erzählen. Und das mit Erfolg. Ein Märchen der anderen Art, geradezu unorthodox – von einer Riesin, die hübsche Prinzen entführt, und einer furchtlosen Ritterin, die die Gefangenen retten kann. „Die geraubten Prinzen“ ist märchenhaft, Klischees von Gut und Böse werden bedient. Weil Funke bestehender Rollenmuster vermeidet, wird die Geschichte zu etwas Besonderem. Die Zeichnungen von Jörg Mühle sind vielsagend und nicht überladen, schlicht gehalten mit dem Blick für das Wesentliche. Ihm gelang vor allem die Figur der Riesin – korpulent, träge, mit missgelauntem Gesicht und roter Damenhandtasche.

James Krüss: „Wenn der Tag zu Ende geht“

Der Dichter James Krüss (1926–1997) veröffentlichte unzählige Kinder- und Jugendbücher, erzählte vom Elefanten Gongo, vom Sommer auf den Hummerklippen und von Henriette Bimmelbahn. Im Pixi-Buch „Wenn der Tag zu Ende geht“ reimt Krüss übers Schlafengehen, von einer Reise in Traumlandschaften – und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit, das jedem Kind innewohnen sollte: „Wenn der Tag zu Ende geht,/ Müssen Kinder schlafen./ Wo im Haus ihr Bettchen steht,/ Ist ein sichrer Hafen.“ Es ist eine kurzweilige Momentaufnahme, die dem Leser ein wohliges Gefühl von Sicherheit hinterlässt und die von Daniela Bunges blassfarbenen Zeichnungen unterstützt wird.

Peter Härtling: „Teich-Matrosen“

Peter Härtling

Peter Härtling ist für Kinderbücher mit Tiefgang bekannt. In „Ben liebt Anna“ erzählt der Chemnitzer etwa vom Aussiedlermädchen Anna, das neu in der Klasse ist. Dabei behandelt er schwierige Themen einfühlsam. Andere Werke handeln vom Altern und Sterben („Oma“) oder von der sozialen Ausgrenzung von Behinderten („Das war der Hirbel“). Angesichts dessen steigt die Erwartung, auch auf den 24 Seiten von „Teich-Matrosen“ eine ähnlich gute Auseinandersetzung mit heiklen Themen zu finden. Doch Härtling enttäuscht: Oskar und sein Papa werden zu Möchtegern-Kapitänen eines Spielgzeugbootes, das sie auf dem Dorfteich lenken wollen. Wenn’s hier eine Botschaft gibt, dann diese: „Papa, lass den Buben mal machen.“ Außerdem fehlt noch etwas anderes: ein roter Faden. Richtig Spaß macht das Lesen nicht, da helfen auch die oft gewitzten Illustrationen von Kerstin Meyer nicht. Schade!

Isabel Abedi: „Traumschuhe für Lilian“

Isabel Abedi

Bekannt ist Isabel Abedi durch ihre „Lola“-Reihe, in der das erfinderische Mädchen in typischer Kinderbuch-Manier von nervigen Mathelehrern und der Suche nach einer besten Freundin erzählt. In „Traumschuhe für Lilian“ ist wieder viel von der Kreativität der Münchner Autorin zu spüren. Lilian besucht einen außergewöhnlichen Schuhladen: Immer, wenn sie ein neues Paar anprobiert, taucht das Mädchen in eine neue Szenerie ein. In Ballerinas tanzt sie also zu einer Melodie, die von Schuhen gespielt wird, Gummistiefel testet sie im Regenwald. „Traumschuhe für Lilian“ verzaubert mit seiner originellen Handlung und einem herzerwärmenden Ende. Die ebenso stimmungsvollen Bilder liefert Susanne Straßer.

Kirsten Boie: „Entschuldigung, flüstert der Riese“

Kirsten Boie

Die Werke der Hamburgerin Kirsten Boie sind vielseitig: Sie schildern das Leben des Meerschweinchens „King-Kong“ und handeln von der ersten Liebe („Vielleicht ist Lena in Lennart verliebt“). In „Entschuldigung, flüstert der Riese“ trifft Lena – wütend, da in ihrer Familie niemand Zeit zum Spielen hat – auf einen Riesen, der sich verlaufen hat. Eine seichte Geschichte mit Miriam Cordes’ farbenfrohen Bildern und einem Riesen, der ganz und gar nicht furchteinflößend aussieht. Während Boie es schafft, die stereotypen Charaktereigenschaften von Lenas Familie in nur wenigen Sätzen auszudrücken, bleibt die Hauptperson selbst blass – ebenso wie der Riese.

Andreas Steinhöfel: „Ein guter Riecher“

Andreas Steinhöfel

Schon die Farbgestaltung des Titelbilds setzt sich von den anderen Heftdeckeln der Jubiläumsreihe ab. Auch die sonstigen Illustrationen von Karsten Teich sind in gedeckten Farben gehalten, füllen den Platz sparsam mit Feinheiten aus. Ebenso grenzt sich die Geschichte des Autors Andreas Steinhöfel von den anderen ab. Hier wird ein Ferkel wegen seines zu langen Rüssels gehänselt, und der Bub Jorge muss nach dem Tod seiner Eltern den Familienhof bewirtschaften. Das alles wirkt, trotz Happy End, auf den ersten Blick trüb, fast düster und ist dennoch lesenswert. Der augenscheinliche Makel des Ferkels verhilft Jorge dank Trüffel-Riecher beim Erhalt des Hofes.

Das sind die zehn erfolgreichsten Pixi-Bücher

Das sind die zehn erfolgreichsten Pixi-Bücher

Ursula Wölfel: „Eine Geschichte vom kleinen weißen Hund“

Ursula Wölfel

In diesem Mutter-Tochter-Pixi-Buch will ein namenloser Bub seinen ebenso namenlosen Hund möglichst makellos haben: Sein weißes Fell also muss immer fleckenfrei bleiben. Für jeden noch so großen Spaß wird der Hund ausgeschimpft – bis er die Freude an allem völlig verliert. Da erst merkt der Bub, dass er lieber einen fröhlichen Hund als einen mit perfekten Fell haben möchte. Kindgerechte Symbolik zeichnet die Geschichte aus, die mit der klaren Botschaft „Perfekt zu sein macht keinen Spaß!“ punkten kann. Ursula Wölfel (1922–2014), zweimalige Gewinnerin des Deutschen Jugendliteraturpreises, schrieb die Geschichte, ihre Tochter Bettina bebilderte sie farbenfroh und facettenreich. Schöne Illustrationen mit Einzelheiten überzeugen dabei ebenso wie die Handlung.

Paul Maar: „Vorsicht, Niesgefahr!“

Paul Maar

Ein Pixi-Büchlein, das mit Sicherheit auch Erwachsene zum Schmunzeln bringen wird, gelang dem vielfach ausgezeichneten Paul Maar (Deutscher Jugendliteraturpreis, Brüder-Grimm-Preis, Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk) mit „Vorsicht, Niesgefahr!“. Maars Held, Herr Fordwengler, leidet unter „Sturmniesen“ – mit verheerenden Folgen. Erst ein cleverer Einfall zur Schadensbegrenzung rettet den Mann mit Hut vor der sozialen Isolation. Eine sagenhaft einfache und gleichzeitig einmalige Idee macht aus „Vorsicht, Niesgefahr!“ eine herrliche Kurzgeschichte. Neben Herrn Fordwengler wirkt jeder noch so laut niesende Mensch völlig harmlos. Kerstin Meyer, die auch die „Teich-Matrosen“ bebilderte, kann hier ebenfalls überzeugen: Ihre Illustrationen beeindrucken mit weitläufigen Landschaften und einer detaillierten, in sich stimmigen Gestaltung.

Julia Haller

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