Sprecherin bestätigt: Trumps Chefstratege Bannon verlässt das Weiße Haus

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Qualität ohne Holzhammer

- Wer Oktavian sagt, denkt automatisch an sie. Inzwischen hat Brigitte Fassbaender die Fronten gewechselt. Vor zehn Jahren beendete die Mezzosopranistin ihre einzigartige Gesangskarriere. Als Intendantin des Tiroler Landestheaters steht sie schon vor der "verflixten siebten Saison" - wobei es kein Anzeichen dafür gibt, dass die Ehe mit Innsbruck in die Brüche gehen könnte.

<P class=MsoNormal>Was geht hier, was nicht?<BR>Fassbaender: Es geht das nicht, was überall nicht klappt: Zeitgenössisches. Diese Stadt hat 125 000 Einwohner, und das Große Haus verfügt über 800 Plätze, in den Kammerspielen kommen noch mal 250 dazu. Immerhin: Über die Auslastung von über 80 Prozent kann ich mich nicht beklagen. Ein Publikum ist ja viel konservativer, als man denkt. Man darf es nicht mit der Holzhammermethode behandeln, sondern muss es liebevoll an neue Sichtweisen heranführen. Ich möchte Qualität bieten, keine inszenierte Provokation.</P><P class=MsoNormal>Also Regie führende Quereinsteiger wird es bei Ihnen nicht geben.<BR>Fassbaender: Wenn's Hand und Fuß hat: Warum nicht? Aber nur um der großen Namen willen . . . Das ist Scharlatanerie. Und eine Mode. Es gibt doch so viele junge, ausgebildete Opernregisseure! Das Allerschwerste an meiner Intendanz ist, die richtigen Regisseure für die richtigen Stücke zu finden. Ich würde mir ja nie im Leben zutrauen, einen Film ohne gründliches Studium der Dinge zu drehen. Aber jeder Trend läuft sich tot. Man muss nur den Mut haben, sich nicht anzupassen.</P><P class=MsoNormal>Nimmt Ihnen das Publikum alles leichter ab, weil das Theater mit Ihrer Person verknüpft ist?<BR>Fassbaender: Nein, da sind die ganz objektiv. Mein Einsatz wird geschätzt. Ich bin präsent, ziehe mich aber sehr hinter die Sache zurück. Gut, ich moderiere Gala-Abende oder konzertante Aufführungen. Aber ich gehe nicht auf jede Party oder Vernissage.</P><P class=MsoNormal>Intendantin: War das eine Lebensplanung?<BR>Fassbaender: Überhaupt nicht. Regieführen hat sich auch so ergeben. Der zweijährige Lernprozess als Operndirektorin in Braunschweig hat mich für Innsbruck präpariert, sonst hätte ich mich das gar nicht getraut.</P><P class=MsoNormal>Ein Künstler als Theaterchef: Das ist momentan fast eine Ausnahme. Eine fatale Situation?<BR>Fassbaender: Ja. Als Intendant muss man zumindest von einer Sparte etwas verstehen. Für mich ist es eine Verpflichtung, hier junge Stimmen zu versammeln und die verantwortungsbewusst ans Repertoire heranzuführen. Ich achte sehr darauf, dass bei der Gesangskultur die Latte hoch gelegt wird. Es gibt nichts Schrecklicheres als verschlampte, routinierte Opernsänger. Und die Qualität einer Vorstellung definiert sich auch darüber, wie die kleinen Partien besetzt sind.</P><P class=MsoNormal>Es scheint manchmal, als könne man Wagner dreimal leichter besetzen als etwa eine "Aida". Oder gibt's die Sänger, sie werden bloß nicht entdeckt?<BR>Fassbaender: Alle dramatischen Sänger brauchen Zeit und Ruhe, dann gibt es sie auch. Man muss beim Vorsingen zudem die Entwicklung der nächsten Jahre abschätzen können. Ich finde nichts schlimmer als diese hochgepushten Karrieren. Zum Beispiel Anna Netrebko und die damit verbundene Massenhysterie. Die Frau hat eine bildschöne Stimme, sie ist aber eine pure Anfängerin. Überhaupt noch keine Persönlichkeit dahinter. Man kann nur zu Gott beten, dass sie das alles durchhält. Warum verheizt man jemanden, der so begabt ist?</P><P class=MsoNormal>Werden auch die großen Häuser zum Ensembletheater zurückkehren?<BR>Fassbaender: Das sollten sie, vor allem was die Entwicklung von gutem Nachwuchs betrifft. Wenn ich an meine Münchner Zeit denke, gab es in jedem Fach fünf, sechs Leute. Allein dadurch kam keine Überforderung auf. In Innsbruck haben wir alles doppelt besetzt, brauchen also Gäste nur im Notfall. Auch dadurch ist ein gewisses Niveau gewährleistet.</P><P class=MsoNormal>Mit Blick auf Ihre Anfänge: Was hat sich an den Voraussetzungen bei jungen Sängern geändert?<BR>Fassbaender: Sie sind nicht mehr so belastbar wie wir früher. Sie sind heute schneller erschöpft. Wenn ich allein an mein Pensum früher denke . . . Irgendwie glauben manche heute, mit dem Beruf sei nicht so viel Arbeit verbunden. Dabei muss man ununterbrochen mit Leib und Seele zur Verfügung stehen.</P><P class=MsoNormal>Und wenn Sie Ihre Sänger auf der Bühne sehen: kein Neid?<BR>Fassbaender: Nie. Der Abschied vom Lied, von Schubert und Wolf, der ist mir dagegen sehr schwer gefallen. Aber das Schöne ist doch: Ich habe aufgehört, nicht weil ich nicht mehr konnte, sondern weil ich nicht mehr wollte. Ich bin ja nicht als Ruine abgetreten. Rollen als komische Alte habe ich mir einfach nicht vorstellen können.</P><P class=MsoNormal>Möchten Sie in der heutigen Zeit Sänger sein?<BR>Fassbaender: Ich würde den Beruf immer wieder wählen. Mit allen Qualen. Ich war immer überselbstkritisch und konnte den Beruf nicht so genießen. Ich habe mir innerlich viele Steine in den Weg gelegt. Doch wenn ich jetzt manchmal eine alte Aufnahme höre, denke ich mir: War ja gar nicht so schlecht. Nur: Für eine Rückschau habe ich keine Zeit. Ich bin noch so drin. Ich bin ein Mensch geworden, der total im Jetzt lebt. Später, wenn ich das zulasse, wird womöglich 'ne kleine Wehmut erwachsen.</P><P class=MsoNormal>Die Münchner Oper hatte irgendwann das Interesse an Ihnen verloren, feierte nicht einmal Ihr Bühnenjubiläum. "Ich grolle nicht", heißt es in der "Dichterliebe". Gilt das auch für Sie?<BR>Fassbaender: Nein, das hat mir sehr wehgetan. Wenn ich die Münchner Oper heute betrete, muss ich schon immer 'ne große Stufe überspringen. Das ist mir nicht geheuer.</P><P class=MsoNormal>Sind Sie jetzt Innsbruckerin?<BR>Fassbaender: Nee (lacht). Ich bin Berlinerin. Und das werde ich immer bleiben! Mit der Mentalität hier komme ich aber prima klar, auch wenn manche ein bisschen kauzig sind. Da, wo man sich wohlfühlt in seiner Arbeit, ist man doch geborgen.</P><P class=MsoNormal>Und wie geht es weiter?<BR>Fassbaender: Ich habe unterschrieben bis 2008, vielleicht kommt noch ein Jahr dazu. Zehn Jahre insgesamt, das ist auch genug. Sonst stagniert doch ein Theater. Mit dem Regieführen ist dann wohl auch Schluss - wer nimmt denn noch so alte Opernregisseure? Das ist beim Schauspiel anders, wenn ich mir George Tabori anschaue. Und irgendwann muss ich ja mal zur Ruhe kommen. Auch wenn ich es mir nicht vorstellen kann.</P>

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