Quantensprung

- Jeder wolle ihn stets nur als Hagen, Heinrich oder Landgraf, klagte er einmal. Doch eigentlich klinge seine Stimme eher "italienisch", müsse also auch im selbigen Fach eingesetzt werden. Deutsche Opernhäuser stellen sich in dieser Sache meist taub, Ausnahmen - wie nun die Bayerische Staatsoper mit ihrer "Don Carlo"-Wiederaufnahme - ausgenommen. Bereits im alten Otto-Schenk-Schinken war er als König zu erleben. Und für die Philipp-Partie bedeutete das erneute Engagement Matti Salminens einen Quantensprung.

<P>Darstellerisch ist er ein Monument, zwischen Verzagtheit, majestätischer Wucht und cholerischem Aufbrausen. All dies wird bei dem Finnen auch hörbar - dank seines fast makellosen Belcanto-Basses, der durch Dutzende Hagens (ab 28. Februar auch wieder in Münchens neuer "Götterdämmerung") nicht angekränkelt scheint.</P><P>Um ihn gruppierte die Staatsoper luxuriöse Gäste: Paolo Gavanelli, dessen Schönklang-Posa immer nach Donizetti tönt; Miriam Gauci (Elisabeth) mit ihrer feinen, lyrischen Linienzeichnung; Luciana D'Intino, die als Eboli auf effektvollen Aplomb setzte, im "O don fatale" an Grenzen stieß; Paata Burchuladze als gewaltig orgelnder Großinquisitor; und der beherzt spielende Sergej Larin (Carlos), dessen Tenor nur im Forte richtig funktionierte, der beängstigend freizügig mit seinem imponierenden Material umging - und daher von Karl V. keine Sekunde zu früh in die Krypta geleitet wurde.</P><P>Festspiel-Voraussetzungen also, die Zubin Mehta am Pult des Staatsorchesters nicht optimal nutzte. Merkwürdig zahm wurde Dramatisches absolviert, eigentlich überzeugten nur die großen Duette. Irritationen im Orchester, Sicherheitstempi und ein Fast-Schmiss im Autodafé´ verbreiteten zuweilen Hauptproben-Charme - die nächsten Versuche folgen am 5. und 9. Februar.<BR></P>

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