Quasi im Vorbeifahren

- Schon Alfred Brehm hat es gewusst. "Mensch und Hund sind die treuesten aller Genossen", schreibt der Zoologe in seinem "Tierleben". Der argentinische Regisseur Carlos Sorin liefert in "Bombó´n" eine eindrucksvolle Bestätigung dieser These. Der Film bringt den Mechaniker Juan Villegas und die Dogge Bombó´n zusammen - zwei einsame Wesen, die nicht so recht wissen, wo sie eigentlich hingehören.

Der immer ein wenig verschüchtert lächelnde Juan findet trotz großer Mühe keine Arbeit und muss in der chaotischen Wohnung seiner Tochter leben; der Rassehund hat nicht nur seinen Züchter, sondern auch seine Libido verloren. In Juans altem Lieferwagen machen sich die beiden ungleichen Gefährten daran, der argentinischen Kleinstadt zu entfliehen, die ihnen bislang kein Glück gebracht hat.

Und die Fahrt durch die Öde Patagoniens verändert tatsächlich vieles. Zunächst bekommt Juan dank des Hundes einen Job als Wachmann, für den er aber zu gutmütig ist. Dann lernt er den begeisterten Hundezüchter Walther kennen und gewinnt mit dessen Hilfe Preise auf Tierschauen. Vor allem aber findet er in Bombó´n einen sabbernden Freund auf dem Beifahrersitz.

Regisseur Sorin besetzte die Hauptrollen seines Roadmovies mit Laiendarstellern, einige Passagen drehte er außerdem mit Handkamera. So erzeugt er eine authentische Atmosphäre, durch die "Bombó´n" an manchen Stellen wie ein Dokumentarfilm wirkt. Seine Bilder zeigen Argentinien in den Zeiten der Globalisierung: Vor der Arbeitsvermittlung stehen lange Schlangen, Jobs werden per Handschlag vergeben, wer einen Fehler macht, der fliegt sofort.

Quasi im Vorbeifahren erzählt der Film seine Geschichten, die erst im Kopf des Zuschauers zu Ende gebracht werden: Von dem Mädchen, das vor Aufregung seine Stimme verliert, oder von der orientalischen Sängerin, die ihre eigenen Texte nicht versteht. Am Ende weiß Juan immer noch nicht, wo er eigentlich hin will. Nur eines ist klar - er fährt nicht allein. (In München: Atelier, Rottmann, Isabella i. O.)

"Bombó´n"

mit Laiendarstellern

Regie: Carlos Sorin

Sehenswert

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