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So viele gute Musiker sieht man selten auf einer Bühne: Queen Esther Marrow (weißes Kleid) im Kreis ihrer Harlem Gospel Singers.

Konzertkritik

Queen Esther Marrow und ihre Harlem Gospel Singers

München - Queen Esther Marrow und ihre Harlem Gospel Singers begeistern mit Leidenschaft im Zelt des Deutschen Theaters. Lesen Sie hier die Konzertkritik.

Wenn schon zwei Stunden lang musikalisch der Herr gepriesen wird, muss auch mal konkret etwas für das Gute in der Welt getan werden. Gospel-Legende Queen Esther Marrow weiß das und lässt vor den Zugaben einen Scheck an die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ aushändigen – immerhin über stolze 30 000 Euro. Danach stimmt Marrow den unverwüstlichen Klassiker „Oh Happy Day“ an und treibt das Publikum im ausverkauften Zelt des Deutschen Theaters in München-Fröttmaning zur Raserei: mit Musik, aber auch mit ihrer Leidenschaft für das, worüber sie singt – den Glauben.

Es sind ja keine einfachen Konzerte, die Marrow seit mehr als 20 Jahren regelmäßig im Winter in München gibt. Es sind Gottesdienste und zwar sehr ernst gemeinte. Angst vor großen Gefühlen oder einer gehörigen Portion Pathos sollte man also nicht haben, wenn man zu Queen Esther Marrow’s Harlem Gospel Singers Show geht. Denn Marrow und ihr handverlesenes Ensemble („ausgesucht von mir“, wie Marrow sehr selbstbewusst erklärt) tun nicht so als ob. Der religiöse Hintergrund der Lieder ist kein Beiwerk, sondern Motivation. Da passiert es schon mal, dass sich der Saxophonist Tränen der Rührung aus dem Gesicht wischt, als ihm Marrow erklärt, er sei ein begnadeter Musiker, dürfe aber nie den Glauben verlieren.

Ja, die Musiker sind sichtbar begeistert von dem, was sie tun. Als reine Show wäre das schwer erträglich, aber man nimmt den Künstlern ab, dass es ihnen ein spirituelles Anliegen ist, ihre Botschaft unters Volk zu bringen. Was Marrow’s Show ganz wesentlich von einem Liederabend im Zeltlager der evangelischen Landjugend unterscheidet, ist freilich das atemberaubende handwerkliche Können der Musiker. Allen voran das von Marrow selbst, die sich zwar häufiger als früher Auszeiten gönnt, aber weiterhin ohne Probleme die Naturgewalt ihrer Stimme abrufen kann. Wenn sie, immer noch umwerfend gut aussehend, ihre Lieder über Liebe, Glaube und Hoffnung ins Rund schmettert, berührt das selbst hartleibige Agnostiker.

Und so geht das im Grunde den ganzen Abend: Man hat keine Chance gegen so viel Enthusiasmus, Talent und positive Energie. Die engelsgleiche Stimme von Tenor Rodney Archie reißt einen unweigerlich mit, auch wenn Text, Arrangement und Videoshow bedenklich nahe am puren Kitsch vorbeischrammen. Wobei das eher die Ausnahme war.

Die Nummern sind musikalisch hochambitioniert – und der Gesang erst recht. Wenn beim Tribut an Soul-Ikone Whitney Houston gleich mehrere Sänger ohne erkennbare Mühen die Stücke der Ausnahmeinterpretin stemmen können, wird einem klar: So viel gute Musiker auf einer Bühne sieht man nicht oft.

Weitere Vorstellungen bis 19. Januar;

Telefon 089/ 55 23 44 44.

Zoran Gojic

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