Queen in klein

- Das Wichtigste vorneweg: "One Night of Queen", das "Tribute"-Konzert für die Bombast-Rockgruppe um Freddie Mercury im Deutschen Theater, München, war nur selten peinlich. Und das ist keine Selbstverständlichkeit - wenn man davon ausgeht, dass ein guter Popsong eine Seele hat, die man sich nicht nach Gusto von irgendeiner Amateurkapelle wie auf einem Provinzfaschingsball servieren lassen kann. Dass ein guter Popsong interpretiert, aber nicht aufgeführt werden kann.

<P>Nun liegen die Dinge bei Queen ein bisschen anders. Mercury selbst liebte Pomp und Circumstance. Die "musical prostitute" (Mercury über Mercury) war sich für keine Peinlichkeit zu schade und verstand es mit unvergleichlicher Grandezza, selbst das hohlste Pathos in eine große Geste zu verwandeln. Und, was leider genauso wichtig ist: Beileibe nicht jeder Hit der Gruppe ist ein guter Popsong.</P><P>Vielleicht funktionierte das Imitat aus diesen Gründen gar nicht schlecht. Bereits als Gary Mullen die erste Zeile von "One Vision" intonierte, war man baff _ die Stimme passte nahezu perfekt. Optisch löste er freilich gemischte Gefühle aus. Wie alles auf der Theater-Bühne war auch er nur das Westentaschenformat des Originals - der kleine Mann mit dem gemeißelten Seitenscheitel und dem Schnauzer hätte genauso gut in einen Fassbinder-Film gepasst.</P><P>Mullens Gesten waren allerdings groß genug fürs Londoner Wembley-Stadion: Er bog sich, tanzte zuckend wie ein Derwisch, spielte provokant mit seinem phallischen Mikrophon - aber Sex? Sex hatte das nicht. Die Band, die da spielte, hieß "The Works", und das merkte man auch.</P><P>Alles andere wäre aber wohl fehl am Platze gewesen. Mullen ist offensichtlich ein echter Fan, der seinen Auftritt als Huldigung versteht. Er kopierte bis ins kleinste Detail die bekannten Mercury-Auftritte, und man konnte jeweils raten, bei welcher Queen-Liveplatte diese oder jene Phrasierung geklaut war. Die Übereinstimmung ging dann allerdings so weit, dass selbst langweilige Coverversionen ("Tutti Frutti") und banale Frühwerke wie "Keep Yourself Alive" dargeboten wurden. Ansonsten bekam das frenetische Volk alles, was es von der Königin verlangte: vom unvermeidlichen "We Are The Champions" bis zum wirklich gut gelungenen "Under Pressure". Ob solche Nostalgieshows wirklich sein müssen, ob sie nicht vielmehr ein Anschlag auf Würde und Werk eines Künstlers sind, steht auf einem anderen Blatt.</P>

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