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In London fällt zum letzten Mal der Vorhang für „We Will Rock You“ – das Queen-Musical kommt dann nach München.

"We will rock you"

Queen-Musical zieht von London nach München

London/München - In London fällt zum letzten Mal der Vorhang für „We Will Rock You“ – das Queen-Musical kommt dann nach München. Und: Nach der Show ist vor der Show.

Ben Eltons Kinder sind traurig. Seitdem sie auf der Welt sind, läuft in London das Musical „We Will Rock You“, geschrieben von ihrem Papa. Das ist jetzt vorbei. An diesem Samstag fällt der letzte Vorhang im Dominion Theatre im Londoner West End, dem Theaterviertel der britischen Metropole. Nach zwölf Jahren, 4600 ausverkauften Vorstellungen und mehr als 6,5 Millionen Zuschauern. Elton selbst sagt: „Zwölf Jahre ist ziemlich cool.“

Er steht lässig angelehnt am Buffettisch in einem Nebenraum des Theaters, eine Flasche Bier in der Hand, Fotos von Freddie Mercury über ihm an der Wand. Er ist in Plauderlaune. Und gar nicht so traurig wie seine Kinder. Denn der in Großbritannien durch Sitcoms wie „The Young Ones“ bekannt gewordene Autor sieht’s realistisch: „So eine Show kannst du nicht auf ewig machen. Wir hatten in den letzten Monaten zwar immer noch 1000 Zuschauer täglich, aber das reicht nicht.“

Und so richtig vorbei ist’s für ihn ja gar nicht. Im Gegenteil: Jetzt geht’s ans Überarbeiten der Inszenierung, denn von 9. September an werden die Zuschauer im Deutschen Theater in München gerockt. „Wir packen die Show nicht einfach in eine Box und holen sie in Deutschland genau so wieder auf die Bühne“, erklärt Elton. Nein, für das deutsche Publikum gibt’s speziell zugeschnittene Texte, veränderte Technik und eigene Darsteller – allesamt gecastet von Elton und den beiden Queen-Mitgliedern Brian May und Roger Taylor. „Wir sind sehr stolz auf diese deutsche Produktion. Sie ist mit keiner anderen auf der Welt zu vergleichen. Das Ensemble und die Band haben ihren eigenen Stil“, sagt May. Er und Taylor waren es, die Elton damals angeheuert haben, das Musical zu schreiben. Eigentlich sollte es die Lebensgeschichte von Freddie Mercury (1946–1991) erzählen. Doch Elton fand: Der Sänger war nur 25 Prozent der Band, es solle um alle Mitglieder gehen. Und um das, was sie für die Ewigkeit geschaffen haben: ihre Musik.

„Aber wir wollten keine Jukebox-Show“, betont Elton und reißt seine Augen hinter den Brillengläsern auf, entsetzt über diese Art von Entertainment: „Diese Shows, bei denen eine Coverband spielt und dazwischen ein bisschen was erzählt wird.“ Das sei zu wenig. Und werde einer Band, die Lieder wie „Who Wants To Live Forever“ geschrieben hat, nicht gerecht. „Ein Queen-Song – das sind doch immer mindestens drei Lieder in einem“, schwärmt der 55-Jährige. Und erst „Bohemian Rhapsody“! Das setze allem die Krone auf. „Das sind sechs Songs in einem. Mal ist es Ballade, dann Rock – dann wieder Oper. Crazy!“

Keine Frage, Ben Elton ist selbst ein großer Queen-Fan. Und das ist gut so. Er hat sich von der Musik inspirieren lassen. Lässt die Lieder sprechen. Das ist wörtlich gemeint: Die Handlung wird über die Songs erzählt. Bei Stücken wie „Don’t Stop Me Now“ ist das einfacher – bei dem sechs-in-einem-Stück „Bohemian Rhapsody“ hingegen eine Herausforderung. „Wir wollten es trotzdem unbedingt drin haben“, sagt Elton und muss grinsen. Denn, ja, er hat es geschafft, diesen facettenreichen Hit ins Programm zu nehmen. Und die Art, wie er es geschafft hat, zeigt, dass er auch Komiker ist. Warum? Das kann das Münchner Publikum bald erleben. Überhaupt, München – das ist ja nicht irgendeine Stadt. Für Queen war sie in den Achtzigerjahren Lebensmittelpunkt und Inspiration für Songs wie „Under Pressure“ mit David Bowie oder „I Want To Break Free“. „München war ein riesiger Teil ihres Lebens. Sie waren ein bisschen wild und verrückt hier“, weiß Ben Elton.

Ja, hier hat sich Mercury, der Unvergessene, wohlgefühlt. Seine Stimme, sein Stil sind unkopierbar. Umso besser, dass im Musical die Lieder von verschiedenen Darstellern – Männern und Frauen – interpretiert werden: So entsteht nie die Versuchung, die Sänger mit dem großen Idol zu vergleichen. Die Lieder können schlicht als das gefeiert werden, was sie sind: geniale Musik, großartige Texte.

Vor zwölf Jahren gab es auch Skeptiker. Ob man denn diese Sternstunden der Rockmusik in ein Musical verwandeln dürfe? Freddie Mercurys Mutter hat die Show damals in London gesehen. Und Elton und dem Team danach einen Brief geschrieben: „Freddie hätte es geliebt. Er liebte es zu lachen; er liebte es, unterhalten zu werden. Und all das ist diese Show. Rock on!“

Katja Kraft

„We Will Rock You“ gastiert vom 9. September bis 13. Dezember im Deutschen Theater in München. Telefon 089/ 55 23 44 44.

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