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Abstimmung mit dem Sendersuchlauf? Hörer des Bayerischen Rundfunks vermissen das „spezifisch Bayerische“ im Programm Bayern 2.

Umfrage: Ist Bayern2 noch bayerisch genug?

München - Bayerns Hörer beklagen einen Rückgang der regionalen Berichterstattung bei Bayern 2. Der BR weist die Vorwürfe zurück.

Die anschließende „Radiowelt“ ab 6.05 Uhr werde beherrscht von „Horrormeldungen des Alltags“. Doch dafür gebe es beim Bayerischen Rundfunk (BR) ja schon den Nachrichtenkanal B 5 aktuell. Hiebinger vermutet, dass durch die Reform vor allem Kosten gespart werden sollen: „Oft höre ich dieselben Beiträge mehrmals am Tag in verschiedenen Programmen.“ Das spezifisch Bayerische bleibe dabei aber auf der Strecke.

Auch Sepp Obermeier aus dem niederbayerischen Konzell ist enttäuscht vom neuen Programmschema. Der „Heimatspiegel“ sei als Informationsquelle ausgetrocknet worden, und statt Nachrichten aus der Heimat gebe es anschließend in der „Radiowelt“ schon am frühen Morgen „Neues aus dem Reichstag“. Dabei seien Reportagen aus den Regionen identitätsstiftend, sozusagen „das Salz in der Suppe“ eines bayerischen Senders.

Als Beispiel führt der 53-Jährige, der auch führender Kopf des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) ist, einen Beitrag an, in dessen Mittelpunkt der Streit zwischen einem Obstbauern und der zuständigen Behörde um die korrekte Bezeichnung für eine niederbayerische Spirituose („Kriecherlbrand“) steht (siehe auch Bayernteil). Die Autorin des dreiminütigen Stücks, eine freie Mitarbeiterin des BR, habe Mühe gehabt, einen Sendeplatz dafür zu finden. Auch andere Lokalreporter klagten, dass ihre Berichte in München nicht mehr gefragt seien, weiß Obermeier.

Wolfgang Aigner, Programmchef von Bayern 2, weist den Vorwurf, bayerische Themen seien im neuen Programmschema unterrepräsentiert, vehement zurück. Für die Berichterstattung aus den Regionen habe der BR die werktägliche Sendung „Regionalzeit“ zwischen 13.30 Uhr und 14 Uhr neu ins Programm aufgenommen. Dort sei die Zahl der Beiträge sogar erhöht worden. In der „Regionalzeit“ könne tagesaktuell berichtet werden, das sei um fünf oder um sechs Uhr morgens nicht möglich gewesen, weshalb man stets bereits gesendetes Material vom Vortag verwendet habe. „Um diese Uhrzeit lassen sich außerdem nicht wirklich die Massen erreichen“, so Aigner, der dafür Zahlen ins Feld führt. Rund 120 000 Hörer und damit vier bis fünf mal so viele wie mit dem „Heimatspiegel“ erreiche man der hauseigenen Medienforschung zufolge mit der „Regionalzeit“ am frühen Nachmittag.

Der Bayern 2-Chef verteidigt auch die Themenauswahl der „Radiowelt“. Sie sei „die Visitenkarte“ des Programms am Morgen, eine Beschränkung auf ausschließlich regionale Themen schrecke die Hörer eher ab: „Das heißt aber doch noch lange nicht, dass wir uns von Bayern verabschiedet haben.“

Für Sepp Obermeier hat dagegen der Abschied bereits begonnen, nämlich der der Hörer vom Bayerischen Rundfunk. Grund sei seiner Meinung nach nicht zuletzt mangelnde Dialektpflege: „Dort, wo man die österreichischen Sender empfangen kann, findet mit dem Sendersuchlauf des Radioapparats eine Abstimmung statt. Der Sendersuchlauf wird zum Identitätssuchlauf.“

Von Rudolf Ogiermann

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