Rätsel der Renaissance

- Er gilt als eine der rätselhaftesten Figuren in der deutschen Kunstwelt. Erst vergessen, später hoch geschätzt, doch Überlieferungen zu seinem Leben und Lebenswerk sind nur bruchstückhaft vorhanden. Die Rede ist von Mathis Gothart-Nithart, genannt Grünewald (um 1480 bis 1528). Das Haus der Bayerischen Geschichte will nun etwas Licht in das Dunkel um den Maler bringen. Nach der erfolgreichen Schau zu Kaiser Heinrich II. in Bamberg befasst sich bis zum 28. Februar die Landesausstellung in Aschaffenburg mit dem "Rätsel Grünewald".

<P></P><P>"Grünewald ist die mysteriöse, alle bewegende Figur. Auf seinen Spuren gehen wir zurück in das 16. Jahrhundert", erläutert der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Claus Grimm, das Konzept der Ausstellung. So spielt zum Beispiel Grünewalds Auftraggeber und Landesherr Kardinal Albrecht von Brandenburg eine große Rolle. Trotz Detektivarbeit haben die Rätsel-Rechercheure ein genaues "Profil" im Fall Grünewald auch diesmal nicht erstellen können. "Die historische Quellenlage ist zu problematisch", sagt Projektleiter Reinhard Riepertinger. Wichtig ist den Initiatoren vor allem eine zeitgeschichtliche Einordnung Grünewalds, die Beleuchtung seiner Lebensumstände.</P><P>Einige Jahre zwischen 1503 und 1526 - so viel scheint gewiss - verbrachte der Maler, Baumeister, Wasserkunstmacher und Seifensieder in Aschaffenburg. Sicher sind sich Experten auch, dass eines der bedeutendsten Kunstwerke der deutschen Renaissance von Grünewald gemalt wurde: die "Stuppacher Madonna". Das Altarbild blieb allerdings im Wallfahrtsort Stuppach. "Selbstverständlich haben wir daran gedacht, es nach Aschaffenburg zu holen", sagt Direktor Grimm. Doch die Holztafel sei zu anfällig für einen Transport. Das Marienbild zierte wohl einst die Mitte des Maria-Schnee-Altars, das im Auftrag des Kanonikus der Aschaffenburger Stiftskirche, Heinrich Reitzmann, entstand. In Aschaffenburg ist bis heute nur der Original-Rahmen mit der Signatur Grünewalds erhalten.</P><P>Grünewald, bekannt auch als Schöpfer des "Isenheimer Altars" in Colmar (Elsass), ist mit seinem ausdrucksstarken Werken zur christlichen Heilslehre erst im 20. Jahrhundert wieder entdeckt worden. Allein um seinen Namen ranken sich verschiedene Thesen. Insgesamt sind von Matthias Grünewald nach Angaben der Ausstellungsleitung nur noch etwa 25 Gemälde und rund 35 Zeichnungen erhalten. Mit reichlich Originalen kann die Landesausstellung daher nicht glänzen. Eine komplette Werkschau sei auch nie Ziel gewesen, betonen die Initiatoren. Es gehe vielmehr um eine kulturhistorische Ausstellung, die Grünwald in seiner Rätselhaftigkeit zeige.</P><P>Als Originale im Schloss Johannisburg sind beispielsweise zwei Standflügel des so genannten "Heller-Altars" zu sehen, die Grünewald für die Dominikanerkirche in Frankfurt schuf. Die Tafelbilder aus Tannenholz zeigen den Heiligen Laurentius und den Heiligen Cyriacus. Mittelbild und Seitenflügel des Altars stammen von Albrecht Dürer. Die Tafeln Grünewalds wurden anlässlich der Ausstellung noch einmal von Restauratoren unter die Lupe genommen. Dabei bestätigte sich nach Auskunft des Hauses der Bayerischen Geschichte die Authentizität des Monogramms.</P><P>Präsentiert wird außerdem die "Beweinung Christi", die Grünewald vermutlich als Predella eines Altarwerks um 1520 fertigte. Es ist das einzige Bild des Künstlers, das dauerhaft in Aschaffenburg verblieben ist. Der Isenheimer Altar baut sich als Lichtprojektion vor den Augen der Besucher auf. Von Grünewalds Zeitgenossen und offenbar auch Bekannten, dem Seidensticker Hans Plock, ist eine Luther-Bibel erhalten. Darin hat Plock Zeichnungen Grünewalds eingeklebt, die in der Ausstellung gezeigt werden. Plock war es übrigens auch, der 1528 das Ableben Grünewalds meldete.</P><P>CLAUDIA MÖBUS</P><P>Bis 28. Februar wochentags 10-17 Uhr, Wochenende und Feiertage 10-18 Uhr, geschlossen am 24., 25. und 31. 12. sowie am 1. 1.<BR>Infos unter www.gruenewald.ausstellung.de<BR></P>

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