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Rudolf Reiser mit „Die Anbetung der Könige“.  

Rätselhaftes Bild aus dem 16. Jahrhundert

Kunstkrimi in Regensburg

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Tja, das war wohl nix: Eine vermeintliche Sensation in Regensburg hat sich kürzlich als Ente herausgestellt. Ein Ölgemälde von Dürer, das wäre auch zu schön gewesen. Zu schön, um wahr zu sein – wenn nicht alles doch noch anders kommt.

Regensburg - Der Münchner Autor Rudolf Reiser, der das Bild vergangenen Herbst mit viel Tamtam im Regensburger Historischen Museum als bisher unbekanntes Werk von Albrecht Dürer präsentiert hatte, steht etwas blamiert da. Denn zwei Stellungnahmen renommierter Dürer-Experten weisen seine Deutungen ins Reich der Fabel. Das von Reiser hervorgeholte Bild „ist keine erstklassige Malerei“, sagt einer der beiden Experten, der stellvertretende Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Martin Schawe. Das Regensburger Tafelbild mit dem Titel „Die Anbetung der Könige“ Dürer zuzuordnen, sei „abwegig“, erklärt sein Kollege, der Leiter des Albrecht-Dürer-Hauses in Nürnberg, Thomas Schauerte. Das Bild sei einfach zwei Stufen schlechter als Dürer, Figuren, Landschaft und Architektur „von einem starken Schematismus geprägt“. Schauerte weiter: „Die Reduktion von Architektur auf derart einfache, in ihrer Perspektivität im Grunde unverstandene Form“ wäre Dürer nie passiert.

Wenn es aber kein Dürer ist – was ist es dann? Die Spurensuche gleicht einem Kunstkrimi. Die Staatsgemäldesammlung nennt als Urheber den „Meister der Crispinuslegende“. So wird ein spätgotischer Maler bezeichnet, dessen Name nicht bekannt ist und dem einige Tafeln mit Marien- und Heiligendarstellungen zugeschrieben werden. Er malte zwischen 1513 und 1525 vielleicht in Süddeutschland, Salzburg und Thüringen. Vielleicht stammt von ihm auch das Bild in Regensburg.

Bis ins 20. Jahrhundert gibt es aber keine Notiz, keine fachliche Beschreibung über „Die Anbetung der Könige“. Der erste schriftliche Nachweis über die Existenz des Bildes datiert vom 12. November 1918. Während in Deutschland die Revolution ausbrach, versteigerte in Berlin das Kunst-Auktionshaus Rudolph Lepke Gemälde des 15. bis 18. Jahrhunderts aus dem Nachlass des Kunstsammlers Georg Krakau. Darunter war auch unser Regensburger Bild, wie aus dem Auktionskatalog hervorgeht. Als Künstler wurde damals der Züricher Maler Hans Leu (1460-1507) vermutet. „Aber das ist eine veraltete Zuschreibung“, sagt Schawe.

Wer das Bild erwarb, ist unbekannt. Die nächsten Hinweise finden sich auf der Rückseite des Gemäldes – dort gibt es verschiedene handschriftliche Notizen und Aufkleber. Sie weisen darauf hin, dass das Bild 1930 in die Schweiz gelangte und 1942 über die Kunsthändler R. Pat-Zaade sowie Bruno Lohse an Hermann Göring verkauft wurde. 1945 konfiszierten es die Amerikaner – und gaben es 1961 der Staatsgemäldesammlung, die es wiederum nach Regensburg auslieh.

Der eben erwähnte Kunsthändler Lohse hatte einen üblen Ruf: Er handelte mit Raubkunst, also mit Kunstgütern, die Juden gewaltsam oder unter Zwang weit unter Wert abgenommen worden waren. War das Bild also NS-Raubkunst? „Das ist nicht sicher“, sagt der Sachverständige Martin Schawe. Das Bild wurde schon vor über zehn Jahren bei „Lost Art“ eingestellt – die Homepage ist für Bilder mit unklaren Besitzverhältnissen eingerichtet worden. Jeder Nachfahre eines etwaigen Besitzers hätte die Möglichkeit, sich zu melden. Bisher meldete sich niemand.

Rudolf Reiser verfolgt derweil einen anderen Plan: Er hat einen Sponsoren aufgetrieben, der wissenschaftliche Untersuchungen an dem Bild bezahlt. Demnächst soll das Gemälde von Regensburg in die Staatsgemäldesammlungen nach München transportiert werden, bestätigte Vize-Direktor Schawe. Eine Holzprobe wurde bereits untersucht. Sie ergab, dass das Bild auf Tannenholz gemalt worden ist. Für Schawe ist das ein weiteres Indiz, dass die Behauptung Reisers, Dürer habe es während seines Venedig-Aufenthalts 1505 bis 1507 gemalt, nicht stimmen kann. Denn Tannenholz war in Italien damals unüblich, die Maler verwendeten normalerweise Pappel. Nun soll am Dörner-Institut für Maltechnik, das zu den Staatsgemäldesammlungen gehört, eine dendrochronologische Untersuchung folgen – also eine Altersbestimmung des Holzes durch die Analyse der Jahresringe. Dann hätte man zumindest ein Herkunftsjahr der Holztafel. Das Werk an sich könne so nicht analysiert werden, schränkt Schawe ein.

Rudolf Reiser ficht das nicht an. Er glaubt weiter fest an die Urheberschaft Dürers. „Es gibt so viele Indizien.“

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