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ARCHIV - Der Autor Harold Pinter mit seiner Frau Lady Antonia Fraser vor dem Buckingham Palast in London (Archivfoto vom 09.11.1999)

Rätselhaftes in geschlossenen Räumen

„Der Meister des Ungesagten“: Zum Tod des britischen Dramatikers und Nobelpreisträgers Harold Pinter

Harold Pinter hat sein Publikum unterhalten, herausgefordert und verstört. Als „Die Geburtstagsfeier“ im Jahre 1958 in London uraufgeführt wurde, waren die Zuschauer in dem kleinen Theater entrüstet über das Stück, das die Vorgänge in einer schäbigen Strandpension schildert. 

Seitdem begleiteten Pinter zwei Dinge stets und in gleichem Maße: Lob und heftige Ablehnung. Das war auch nicht anders, als er 2005 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Für einige war es eine „Beleidigung der Weltliteratur“, andere hielten es für „eine richtig gute Entscheidung“. Vom Krebs gezeichnet war er damals schon, am Heiligabend ist Harold Pinter nun im Alter von 78 Jahren gestorben.

Unumstritten ist Pinters Einfluss auf das moderne Theater. Weltruhm erlangte er Anfang der 60er-Jahre mit „Der Hausmeister“. Es folgten drei Jahrzehnte, in denen er 29 Bühnenstücke und 24 Drehbücher verfasst hat, die unter anderem bei Hollywood-Größen wie Elia Kazan auf Interesse stießen. Pinter wuchs im proletarischen Londoner East End als Sohn eines jüdischen Schneiders auf. Sein Weg von den Schauspieler-Lehrjahren in einer Wandertruppe bis zum erfolgreichen Autor mit Society-Gattin in zweiter Ehe machte ihn zu einer der schillerndsten Figuren seiner Autorengeneration.

Trotz fortgeschrittener schwerer Krankheit stand Pinter vor zwei Jahren noch einmal auf der Bühne. Der damals 76-Jährige spielte, im Rollstuhl sitzend, in Samuel Becketts „Das letzte Band“ einen Greis, der beim Anhören alter Tonbänder vergangenen, besseren Zeiten nachsinnt. Alle neun Aufführungen im Royal Court Theatre waren ausverkauft. Doch Erfolg und gesellschaftliches Ansehen stiegen Pinter nie zu Kopf.

Stattdessen wandelte er sich im fortgeschrittenen Alter zum politisch engagierten Zeitgenossen. 1985 reiste er mit dem amerikanischen Dramatiker Arthur Miller in die Türkei und führte Gespräche mit verfolgten Autoren. Er protestierte gegen die Nato-Bombardierung Serbiens ebenso wie für die Rechte der Kurden. Eine Sammlung von Anti-Kriegsgedichten mit dem Titel „War“ entstand 2003 als Reaktion auf den Irak-Krieg.

US-Präsident George Bush und den früheren britischen Premierminister Tony Blair bezeichnete Pinter als Kriegsverbrecher. „Die Verbrechen der USA waren systematisch, konstant, infam, unbarmherzig“, sagte er bei seiner Nobel-Vorlesung im Dezember 2005. Die Vereinigten Staaten zögen „die größte Show der Welt“ an.

Pinter selbst sprach einmal davon, dass ihn die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus seiner Jugend zum Theater geführt habe. Seine Stücke spielen im geschlossenen Raum, Dialoge sind unvorhersehbar und werden durch rätselhaftes Schweigen und durch Pausen unterbrochen. Oft reflektiert er den Alltag, hin und wieder auch seinen eigenen. In „Betrayal“ (1978) erzählt er in einfachen Dialogen über eine Eheaffäre, die eigentlich seine eigene ist. Kurz zuvor war seine 1956 geschlossene Ehe mit der Schauspielerin Vivien Merchant in die Brüche gegangen.

Bereits vor seinem Tod sorgte Pinter dafür, dass sein Vermächtnis in die richtigen Hände gelangt. 2007 verkaufte er sein Archiv für umgerechnet 1,5 Millionen Euro an die Britische Nationalbibliothek. 150 Kisten mit Manuskripten, persönlichen Briefen und Fotos gingen an das Institut, eine Sammlung von „unschätzbarem Wert“, schwärmte ein Bibliotheks-Sprecher über den „Meister des Ungesagten“.

von Ute Dickerscheid

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