Raffinierter Ohrwurm

- Am Wahlabend ein rein französisches Programm - damit ließ sich am Sonntag die Münchner Philharmonie am Gasteig zwar nicht füllen, aber der Applaus für das Orchestre National de France steigerte sich zuletzt doch zum Jubel. Denn mit Ravels "Bolero" gelang den Franzosen unter der Leitung ihres deutschen Musikdirektors, Kurt Masur, ein eindeutiger Sieg. In genau dem richtigen, eben nicht zu schnellen Tempo fraß sich der Ohrwurm mit dem enervierend gleichen Rhythmus- und Melodiegefüge in die Köpfe der Zuhörer. In immer neuen, von ausgezeichneten Bläsern gemischten Changierungen und effektvollen Massierungen, die Mazur schließlich dynamisch explodieren ließ.

Als das Orchestre National danach (als Zugabe) noch mit Bizets "Carmen" in den Kampf stürmte, war die Schlacht entschieden. Obwohl sie mit Cé´sar Francks d-moll-Symphonie nicht so siegesgewiss begonnen hatte. Denn Masur forcierte im dreisätzigen Werk des Pariser Romantikers mit belgisch-deutschen Wurzeln den Einsatz des Blechs - er postierte es rechts, direkt vor die Holzwand - über Gebühr. Das tönte dann in den Ecksätzen doch allzu intensiv nach Bruckner und störte das Gleichgewicht. Immerhin durfte sich das Holz im Allegretto dann elegant entfalten.

In Debussys "L'aprè`s-midi d'un faune" und "La mer" fächerte das auch in den Streichern sehr weich intonierende Orchestre Natinoal de France die impressionistischen Couleurs dynamisch fein auf. Sowohl in den kleinteiligen Bewegungen wie im trägen Beinahe-Stillstand des "Nachmittags eines Fauns" dominierte die Schwerelosigkeit. Und Masur achtete auch im dramatischen Wind-Meer-Dialog auf die rhythmischen Finessen. Nur das Blech wirkte auch hier - vor allem in der rechten Saalhälfte - zu präsent.

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