Raffiniertes Biest

- Zwei Zöpfchen, strahlende Augen, überschäumende Herzlichkeit, die gerne in einem kecken Lachen gipfelt: Yvonne Ruprecht scheint nur noch auf die Bühne hüpfen zu müssen, um die berühmte Piroschka zu spielen. Für die Rolle der bezirzenden jungen Ungarin, Tochter eines Bahnhofsvorstehers, in der sie ab heute in der Münchner Komödie im Bayerischen Hof zu sehen ist, scheint die Schauspielerin wie gemacht.

<P>In Kurt Hoffmanns Film "Ich denke oft an Piroschka" war es Liselotte Pulver, die die Rolle zu dieser koketten Figur formte, mit Lieblichkeit überzuckerte und ihr einen bitteren Beigeschmack von unerfüllter Liebe nicht ersparte. "Ich bin ein großer Liselotte-Pulver-Fan", sagt Ruprecht, deren Wesen ähnlich sprüht. "Sexy, positiv, spritzig" empfindet sie ihr Vorbild - Eigenschaften, die man nicht unbedingt sofort mit einem 50er-Jahre-Film verbindet und den Ruprecht nicht kannte, bevor sie in einer Heilbronner Inszenierung zum ersten Mal die Piroschka spielte. <BR><BR>Und so kam Ruprecht, die in Meiningen geboren wurde, in Leipzig die Schauspielschule besuchte und in Weimar ihre erstes Engagement hatte, auch nicht in Konflikt mit einengenden Rollenprägungen, sondern konnte sich die Figur, der der Dichter Hugo Hartung 1954 einen Roman widmete, ganz selbst erschließen: "Sie ist auch ein raffiniertes, kleines Biest und zeigt andererseits eine gewisse Größe, indem sie erkennt, dass ihre Liebe zu dem deutschen Studenten Andreas keine Zukunft hat." Ruprecht mag Komödien. </P><P>"Es ist schön, die Leute zum Lachen zu bringen und manchmal viel schwieriger, als ernste Rollen zu formen." In Komödien von Moliè`re und Shakespeare hat sie schon gespielt, und weil sie bei ihrem Heilbronner Engagement fast schon in die Schublade der lustigen Mädels gesteckt wurde, ist Ruprecht ganz froh, dass sie inzwischen als freie Schauspielerin unterwegs sein kann und zum Beispiel in Bochum bei Schwabs schrillen "Präsidentinnen" die Mariedl darstellt: "Ein Kontrastprogramm. Mir gibt das eine ganz andere Energie." <BR><BR>Die liebevolle Komik der Piroschka herauszukitzeln, fällt der Schauspielerin auch deshalb so leicht, weil sie als Kind sehr häufig in Ungarn war, die Menschen mag - "sie sind spontan und herzlich" - und die Sprache so gut im Ohr hat. Und wenn sie dann halbernst raunt: "Hast Du mir scharf gemacht", dann klingt ihr Akzent so überzeugend, dass sogar die ungarischen Zuschauer ganz begeistert davon sind, die die Inszenierung bereits bei ihrer Tournee gesehen haben, ehe sie nun in München ihre Premiere hat.<BR><BR>Ein Clou in Peter M. Preisslers Inszenierung ist, dass Gunnar Möller, der im Film den Andreas spielte, heute als K.u.k.-Dragoner und Kommentator Sá´ndor dabei ist, der die beiden Liebenden so gern vereint sehen möchte. Möllers Erinnerungen an die Dreharbeiten sind im Ensemble sehr gefragt. </P><P>Dass Ruprecht sich gern von ihm erzählen lässt, gesteht die aktuelle Piroschka, der es etwas merkwürdig vorkommt, dass derzeit ihr hübsches Konterfei auf allen Münchner Litfaßsäulen prangt. Was sie nicht hindert, ihr Haar trotzdem hin und wieder zu Piroschka-Zöpfchen zu flechten. Weil sie schon wieder auf dem Weg ist in eine andere Rolle an einer anderen Bühne, muss sie die Piroschka-Schublade ja nicht fürchten.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ich liebe Happy Ends!“
Sie trifft den Puls ihrer Generation. Am Samstag kommt die Poetry-Slammerin Julia Engelmann in den Münchner Circus Krone, Restkarten gibt es mit etwas Glück an der …
„Ich liebe Happy Ends!“
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Der Umgang mit der Neuen Rechten hat die Frankfurter Messe von Beginn an beschäftigt. Beim Besuch des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke kommt es am Samstag zu Konfrontationen …
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
LaBrassBanda ist alles andere als eine gewöhnliche Band. Da passt auch das neueste Konzert der Gruppe ins Bild: Auf 1300 Metern Höhe spielen die Musiker vor ihren Fans …
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Mit der Eröffnungsgala „Es ist soweit!“ feiert das Münchner Gärtnerplatztheater an diesem Wochenende seine Rückkehr ins renovierte Stammhaus. Lesen Sie hier die …
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück

Kommentare