Rainhard Fendrich in der Philharmonie: Auferstanden

München - Rainhard Fendrich bringt nicht viel mit auf die Bühne der fast ausverkauften Münchner Philharmonie. Einen Klavierspieler, eine akustische Gitarre und eine Portion Selbstironie: "Weil ich ein paar Hits geschrieben habe, bin ich in der Schlager-Schublade gelandet", erzählt er zu Beginn des Abends. "Eine Zeitlang war es da sehr lustig, aber als Liedermacher habe ich dabei mein Zielpublikum verloren."

Der Wiener hat fürwahr eine schwere Zeit hinter sich. Denn Schlagzeilen schrieb er im vergangenen Jahr nicht mit einer neuen Platte, sondern mit seinem Geständnis, jahrelang Kokain konsumiert zu haben. Doch wie meint er: "In Wien fängt man erst nach dem Tod zu leben an. Es ist nicht nur die Stadt der Nachrede, sondern auch die des Nachrufs."

Im Gasteig zeigt Fendrich, dass er nach dem öffentlichen Begräbnis wieder auferstanden ist - als vielseitiger Künstler. Schön singt er und facettenreich. Er croont zum Swing, verleiht seiner Stimme eine kokette Heiserkeit zu Tango-Rhythmen und gibt ihr eine spannende Laut-Leise-Dynamik bei Chansons.

Seine Texte sind mal vor politischem Sarkasmus triefend, dann wieder von schlichter poetischer Schönheit. Die von Desillusion getragenen Weltflucht-Nummer "Wie lange lebst du noch?" wird zum Höhepunkt voll erhabener Melancholie: "Engel trifft man kaum, und wenn dann nur im Traum. Sie bleiben nie bis um zehn. Sie sind im Leben nie so schön."

Am Ende geht Fendrich dann leider auf Nummer Sicher. Mit "Es lebe der Sport" und "Strada del sole" spielt er ein paar alte Hits als Zugabe. Das ist schade, weil er damit die musikalische und textliche Qualität seines bis dahin stimmigen Programms untergräbt. "Macho, Macho" aber, seinen größten Schlager, lässt er aus. In dieser Schublade will Rainhard Fendrich offenbar doch nicht wieder landen.

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