Thomas Kreuzer,Staatskanzleichef, wird auch von der CSU-Seite kritisiert.

Rangelei um Kultur-Millionen

München - Jetzt geht die Rangelei um die Kultur-Millionenlos: Die Staatsregierung will überall „Leuchtturmprojekte“. Die Opposition prangert die Unterfinanzierung an.

 Staatsregierung und CSU-Fraktion rangeln um das geplante Kulturkonzept für ganz Bayern. Das Kabinett beschloss den Entwurf am Mittwoch – doch hat vor allem die CSU-Fraktion Änderungswünsche. Bis zur endgültigen Verabschiedung des Doppelhaushalts im Dezember sind noch einige Geburtswehen zu erwarten.

Der Entwurf der Staatsregierung sieht vor, in jeder bayerischen Region „Leuchtturmprojekte“ voranzubringen. In jedem Regierungsbezirk soll es ein Landesmuseum geben. „Wir haben ein einvernehmliches und gutes Konzept, das die Kultur in Bayern voranbringen wird“, sagte Staatskanzleichef Thomas Kreuzer. Im Doppelhaushalt sind bislang 50 Millionen Euro zusätzlich vorgesehen (wir berichteten) – doch wird der Betrag möglicherweise noch aufgestockt.

Die Opposition hält das Programm nur für einen Tropfen auf den heißen Stein. Auch in den Regierungsfraktionen sind viele Abgeordnete der Ansicht, dass es weit mehr förderungswürdige Kulturprojekte und -einrichtungen in Bayern gibt als in dem Entwurf berücksichtigt. Der Parlamentarische Geschäftsführer Alexander König hat einen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer geschrieben, in dem sich der oberfränkische Abgeordnete für eine bessere Förderung der nichtstaatlichen Orchester und Theater einsetzt. Daneben haben noch viele Abgeordnete andere Wünsche, von der Förderung der Sing- und Musikschulen bis zum Denkmalschutz. Kreuzer sagte, nun werde bei den Haushaltsverhandlungen im Landtag geklärt, „inwieweit weitere Projekte noch gefördert werden“. Bisher gibt es Landesmuseen in München, Nürnberg, Ingolstadt und Augsburg. Zum Landesmuseum werden sollen nun auch das Mainfränkische Museum in Würzburg, das Glasmuseum in Frauenau im Bayerischen Wald und das Porzellanmuseum in Oberfranken. Zuschüsse soll es zudem geben für das geplante Ludwig-Erhard-Haus in Fürth sowie für die Renovierungsarbeiten am Festspielhaus Bayreuth, am Staatstheater Nürnberg und an den zwei Königsschlössern Linderhof und Neuschwanstein.

Die SPD-Kulturpolitikerin Isabell Zacharias kritisierte den Sanierungsstau bei vielen Kultureinrichtungen. Kunstminister Heubisch selbst habe die Kosten auf 700 Millionen Euro beziffert. Die SPD-Fraktion fordert deswegen ein Kulturinvestitionsprogramm zur Behebung von Schäden. Die Grünen werteten das Programm der Staatsregierung als Eingeständnis großer Versäumnisse in der Kulturpolitik. Carsten Hoefer

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