Rasselnde Waffen

- Monokultur im Konzertsaal? Das ist eher selten am normalen Abo-Abend, wo meist ein dreiteiliges, kontrastierendes, im günstigsten Fall dramaturgisch schlüssiges Programm geboten wird. "Only Bartók" gab es bei den Münchner Philharmonikern unter Leitung von James Levine (Gasteig). Er mutete sich, dem Orchester und den Zuhörern viel zu: Denn auf Bartóks einzige Oper "Herzog Blaubarts Burg" sattelte er das dritte Klavierkonzert und als Rausschmeißer den stets aufs Neue mitreißenden "Wunderbaren Mandarin" - ein Mammutprogramm also, das gleichwohl begeistert aufgenommen wurde.

Die 1911 entstandene Oper fasziniert als psychologische Auseinandersetzung ohne Aktion. Es geht um Liebe und Treue, um bedingungsloses Vertrauen, das Judith ihrem Blaubart ebenso wenig entgegenbringen kann wie Elsa dem Lohengrin. Judith will hinter die sieben Türen auf seiner düsteren Burg schauen, will Licht und Sonne hereinlassen. Doch der Blick in seine verschlossenen "Herzenskammern" offenbart Einsamkeit, Abgründe und tötet ihre Liebe. Sie versinkt - wie Blaubarts vorherige Frauen - in der Nacht.<BR><BR>Levine und die Philharmoniker ließen die Waffen rasseln und die Schatzkammer glitzern. Nach der Düsternis des Tränensees und dem Licht des Gartens verdichteten und schärften sie den Klang bis hin zum großen, blechgepanzerten Schrei Judiths, den die blutjunge Kremena Dicheva mit ihrem metallischen Mezzo mühelos darüber setzte. Den Blaubart gestaltete John Tomlinson mit großem Ausdruck, ertrank aber stellenweise in den von Levine martialisch aufgepeitschten Orchesterwogen.<BR><BR>Nach der Pause überraschte Bartók mit anderen Tönen: Sein drittes Klavierkonzert, als letztes Werk 1945 in New York entstanden, klingt viel lichter, einfacher, versöhnlicher - aber gleichwohl rhythmisch vertrackt. Der 23-jährige US-Pianist Jonathan Bliss blieb - bei allem Temperament in den Oktavgängen und Läufen - dem Lyrischen, dem kontrapunktisch Klaren wie dem Spielerischen nichts schuldig. Im abschließenden orchestralen Bravourstück "Der wunderbare Mandarin" von 1926/27 entfesselten Levine und die hoch gestimmten Philharmoniker noch einmal Bartoks ungebändigte Wildheit in all ihrer orchestralen Virtuosität. Ein furioser, anstrengender Abend für alle.<BR>

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