Rastloses Wirbeln

Shakira-Konzert: - Populärkultur wird in manchen Kreisen immer noch gerne als vulgär abgetan. Intellektuelle, die Gefallen an der Musik der Kolumbianerin Shakira gefunden haben, können sich freilich auf deren Landsmann Gabriel García Márquez berufen, ein Literaturnobelpreisträger immerhin. Der hat eine Ode an Shakira verfasst und ihr darin außergewöhnliches Talent bescheinigt.

Aber eine derartige Legitimation braucht man in Wahrheit gar nicht, um bei Shakiras Konzert in der ausverkauften Münchner Olympiahalle Spaß zu haben. Die 30-Jährige wirbelt rastlos über die Bühne und gibt keinen Frieden, bis der ganze Saal mittanzt. Wer sie deswegen für eine attraktive Partymaus hält, die einfach nur für gute Laune sorgt, verwechselt sie allerdings mit Kylie Minogue.

Hinter Shakiras Erfolg steckt harte Arbeit und viel Talent. Sie kann singen, sie kann tanzen, hat Ausstrahlung und ist eine versierte Musikerin. Ihre Lieder schreibt sie selber und interpretiert sie auf schlichtweg unnachahmliche Weise. Was Shakira da so scheinbar mühelos ihrer Stimme entlockt, zeugt von immensem Können. Manchmal wirkt es, als würde sie drei, vier Töne gleichzeitig treffen, und dennoch klingt es immer harmonisch sauber.

Ein kleines Wunder, ebenso wie ihre Begabung, sich zur Musik zu bewegen. Dabei gelingt es ihr, immer verspielt mit dem Publikum zu flirten und sich doch an eine professionell durchchoreographierte Show zu halten. Sie weiß genau, wie sie wann wirkt, das ist Teil ihres Handwerks.

Bei den Englisch gesungenen Stücken sinkt die Stimmung indes ein wenig, sie wirken zu glatt, und Shakira scheint es selber zu merken. Auf Spanisch transportiert sie einfach mehr Gefühl, die Fans bejubeln sie dafür am lautesten. Wenn sie dann noch ihre spektakulären Bauchtanzeinlagen vorführt, ist sie völlig bei sich und unwiderstehlich.

Ob Shakira zwischen den Mühlsteinen des Mainstream zerdrückt wird oder eine ganz Große des Geschäfts wird, die barfüßige Königin der Weltmusik, wird man sehen. Das Zeug dazu hat sie, wie sie in München gerade bewiesen hat.

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