Nach Messer-Mord in Neuhausen: Polizei sucht diese zwei Männer

Nach Messer-Mord in Neuhausen: Polizei sucht diese zwei Männer

Ratlosigkeit bei Jonathan Meeses Regie-Debüt

Theater: - Berlin - Jonathan Meese ruft die "Revolution der Kunst" aus, allerdings soll das erst im Jahr 2023 über die Bühne gehen. Dann komme auch das "Ende der Theaterselbstbefindlichkeit", verkündet der "jüngste deutsche Groß-Künstler" und "geniale Hochstapler", wie manche den 37-jährigen Shootingstar der internationalen Kunstszene auch nennen.

Zunächst aber versucht sich der Aktions- und Performancekünstler, der schon als Bühnenbildner für Frank Castorf bei "Kokain" und den "Meistersingern" oder für Christoph Schlingensiefs "Kaprow City" an der Berliner Volksbühne tätig war, jetzt erstmals als Theaterregisseur.

Am Mittwoch war Premiere seiner Inszenierung der Meese-Performance mit dem kryptischen Titel "Die Frau - Das Erzmanifest der Vorrevolution", in der er auch selbst auf der Bühne steht. Auch andere Darsteller wie Kathrin Angerer oder Bernhard Schütz müssen in dem typischen chaotischen Bühnenbild-Sammelsurium mit Kanonen, Badewannen, Pappmaché-Puppen mit Riesenphallus oder Eisverkäuferwagen als napoleonischer Soldat oder schwarzer Kapuzenmann auf der Drehbühne zwei Stunden lang den darstellerischen Rahmen für die philosophischen und revolutionären Tiraden und Behauptungen Meeses abgeben wie die "mathematische Gleichung", der Artikel 1 des Grundgesetzes "enthält sechs Unbekannte - "Die Würde des Menschen ist unantastbar"").

Von einer Handlung oder einem roten Faden ist bei Meese natürlich keine Rede, keine Dialoge, nur endlose Monologe über das Weltende, den Kapitalismus und die Lieblosigkeit. Bei ohrenbetäubendem Hardrock von Rammstein ("Fürchtet euch nicht!") wird viel getanzt, getobt, geschrien, gekrächzt und geröchelt. Das Voodooballett wird zur Apokalypse.

Es ist das totale Antitheater wie bei Schlingensief, auch wenn Meese in seinen Programmheftnotizen vom "totalen Theater" schwärmt. Es sei der Lieblingsspieltrieb des Menschen, ein "Auslöffeln von unheimlichen Suppen", eine Schatzsuche und Abenteuerreise, ein "liebevolles Glücksspiel". Denn nur in der Kunst sei der Mensch erlebnisfähig, meint Meese. Vor allem ist sein Theaterabend ein wirres Assoziationsfeuerwerk, bei dem er zahlreiche "Ikonen" der Kulturwelt und wohl auch seiner Jugend beschwört wie Lolita, Dick und Doof, den jungen Kinski und Liberace.

Das alles ist ein manchmal belustigender, mal gesellschaftskritischer, vor allem aber verwirrender und schließlich ermüdender Theaterabend, der kein Ende nehmen will, so dass das Premierenpublikum in der überfüllten Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz immer wieder mit tröpfelnd-freundlichem Schlussapplaus einsetzte, ohne dass Meese mit seinen Tiraden ("Ich bin Vasco da Gama und habe die Ost-West-Passage entdeckt") aufhören wollte. Irgendwann gingen die ersten Zuschauer und machten sich wohl noch lange ihre eigenen Gedanken über den seltsamen Theaterabend.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Am Dienstag speilte Kris Kristofferson im nicht ganz ausverkauften Circus-Krone. Statt vieler Ansagen gab es ein ambitioniertes Pensum an Songs. Trotzdem fehlte dem …
Kris Kristofferson im Circus Krone: Country und Folk im Punkrockformat
Weltkino mit rabenschwarzem Humor
158 Produktionen aus 43 Ländern sind beim Münchner Filmfest vom 28. Juni bis 7. Juli zu sehen – der Vorverkauf hat begonnen.
Weltkino mit rabenschwarzem Humor
Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Wie andere könnte man sich über die Operette lustig machen. Oder man nimmt den „Tapferen Soldaten“ so ernst wie Peter Konwitschny bei seinem späten Debüt am …
Peter Konwitschny inszeniert Straus: Mit den Waffen der Operette
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen
Popstar Shakira hat am Sonntagabend in der ausverkauften Olympiahalle die Massen zum Ausflippen gebracht. Die Kritik:
Waka waka: Shakira bringt die Olyhalle zum Ausflippen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.