Der Rattenfänger

- Immer wenn's auf dem Instrument nicht weitergegangen sei, habe er zu reden begonnen, sagt Andreas Rebers, und immer, wenn er nichts mehr zu sagen gehabt habe, zum Instrument gegriffen. Mag sein, dass das stimmt, was der Kabarettist da von ganz früher erzählt, dann hätte sich der wie improvisiert wirkende Wechsel zwischen Gesprochenem und Gesungenem bis heute erhalten.

Grübeln darf man auch über den Namen seines neuen Programms, "Lieber vom Fachmann", mit dem der Wahl-Münchner nun auch "daheim", in der Lach- und Schießgesellschaft, Premiere hatte. Soll man beim Lesen des Titels gleich "Lieder" (mit-)denken?

Wie auch immer, der Fachmann ist Rebers heilig. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes, denn das Gesamtwerk des 48-Jährigen (nicht nur dieses Programm!) feiert den Meister, den "Gelernten". Vielleicht gründet das in der Biografie des Niedersachsen, aufgewachsen auf dem "platten Land", umgeben von Rübenfeldern. Die Handwerker stehen ihm nahe, der Bauer, der Metzger und, natürlich, der schon legendäre Fliesenleger, sie bedenkt er mit Spottversen, die doch verkappte Hommagen sind. Die Monotonie und die Monokultur, sie sind die Themen des Satirikers; gegen das allzu Saubere, die Akkuratesse als Selbstzweck begehrt er auf in Texten und Tönen - und kann doch eine (Rest-)Sympathie selbst für so tumbe Toren, die einen Verein aller "Günther" gründen, nicht verhehlen.

Andreas Rebers ist ein begnadeter Musikant (ein Meister eben!) - und er nutzt seine Kunst am "Schifferklavier" wie am (E-)Piano hemmungslos, um sein Publikum wie einst der Rattenfänger von Hameln zu verführen, es über die Folklore hineinzuziehen in die Milieus, die er augenzwinkernd seziert. Die der Bademeister beispielsweise und der (auch schon bald sprichwörtlichen) bulgarischen Fernfahrer. Doch Rebers schießt auch gegen die (saturierten) "Linken" scharf, protokolliert Szenen einer Ehe, hat Lehrer und Schüler im Visier, schweigt nicht zum "Kampf der Kulturen".

Das kann wohl nur einer, der lange geübt, der Etüden gepaukt hat, bevor er selbst das erste Mal zu komponieren wagte. Sein Können macht ihn so sicher, und deshalb lässt sich der Mann im grauen Anzug, der erkennbar mal ein guter war, auch nicht berechnen. So eben die Gegend, aus der er kommt, so bergig die (Typen-)Landschaft, die er da schafft. Lauter Höhepunkte.

Bis 25. Februar, dienstags bis samstags, um 20 Uhr, Telefon 089/ 39 19 97.

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