Raubkunst: Alte Pinakothek gibt ein Gemälde zurück und erhält es wieder

München - Es ist ein Kleinod in der Alten Pinakothek München: Wie auf diesem Stillleben gelbe Zitronen, eine weißblaue Porzellankanne und ein Trinkkelch aus dem Dunkel hervorfunkeln, hat schon viele Besucher fasziniert.

Dass diese Rarität von Willem Kalf von 1653, ein Meisterwerk der niederländischen Lichteffekte, eigentlich nicht rechtmäßig dort hing, war niemandem bekannt.

1940 musste der jüdische Besitzer Josef Bock das Gemälde unter den widrigen politischen Umständen und der Verfolgung durch die nationalsozialistische Regierung verkaufen. Es gelangte in die Hände von Adolf Hitlers Chefeinkäufer Walter Hofer, der es damals bei den Staatsgemäldesammlungen gegen zwei holländische Genrebilder eintauschte.

Mit der Rückgabe des Gemäldes an den Enkel Peter Bock konnte nun "nach langen Jahren ein Unrecht wieder gutgemacht werden", erklärte gestern Reinhold Baumstark, Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Der Nachkomme des Besitzers allerdings wollte das Kalf-Bild weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich machen und stimmte dem Rückkauf durch den Pinakotheks-Verein zu: "Es ging mir und der Familie dabei nicht um den Maximumwert, sondern um eine sehr verspätete, aber immerhin doch stattfindende Heilung eines Unrechts, das meinen Großvater sicher sehr tief getroffen hat."

Der Großvater Josef Bock, selbst Maler beim "Verein der bildenden Künstler Münchens" und später bei der Berliner Secession, hatte eine umfangreiche Sammlung von seinem Onkel Berthold Richter geerbt.

Zwischen 1999 und 2002 wurden die Erwerbungen der Alten und Neuen Pinakothek ab dem Jahr 1933 überprüft. Seit April 2008 gibt es außerdem ein eigenes Referat für Provenienzforschung unter der Leitung der Kunsthistorikerin und Konservatorin Andrea Christine Bambi. Schwerpunkt ist in diesem Aufgabenfeld, die unklare Herkunft von fast 800 Kunstwerken zu erforschen, die in den 60er- und 70er-Jahren aus nationalsozialistischem Besitz in die Pinakotheken gelangten. Was damals nicht im Zuge der Wiedergutmachungsverfahren vermittelt werden konnte, ging an die staatlichen Museen.

Jetzt bemühen sich die Verantwortlichen, gegebenenfalls mit den jüdischen Vorbesitzern und ihren Rechtsnachfolgern nach einem Ausgleich zu suchen.

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