Der Rausch des Lebens

- "Man sollte nicht meynen, daß in einem so kleinen Kopfe sowas Großes stecke." Und: "Ich war ganz surprenirt - noch hat mir keine Musick den Effect gemacht; - das ist eine Magnifique musick."

So sprach Kurfürst Karl Theodor von Bayern, nachdem er eine Probe zu Mozarts "Idomeneo" besucht hatte. Am 29. Januar 1781 wurde die Oper im Münchner Hoftheater uraufgeführt. Und das 25-jährige Genie aus Salzburg machte sich Hoffnungen auf eine Anstellung bei Hofe, um damit so schnell wie möglich der verhassten Heimatstadt zu entkommen. Zumal "Idomeneo" nach der "Gärtnerin aus Liebe" bereits die zweite Oper war, die man in München von ihm aufführte. Die Stadt gefiel Mozart sehr.

Und er gefiel der Stadt. Immerhin gab es große Fürsprecher - wie den Hofmusikdirektor Christian Cannabich, den Hofsänger Anton Raaff, die junge, schöne Gräfin und Mätresse des Kurfürsten, Josepha von Paumgarten. Eine Anstellung konnten aber auch diese Freunde nicht herbeireden. "Keine Vakatur" - und Karl Theodor ließ nach drei Wiederholungen der Oper den jungen Mann wieder ziehen, ebenso wie sein Vorgänger Max III. Joseph (s. Text unten). Historisch unverzeihlich? Wer weiß, ob es einen "Figaro", einen "Don Giovanni", eine "Zauberflöte" je gegeben hätte, wenn sich der junge Mozart nicht dem Kräfte zehrenden Strudel des kaiserlich geprägten, weltstädtischen Wiener Lebenskampfes ausgeliefert hätte?

Aber zurück zu "Idomeneo". Die Oper war eine Auftragsarbeit für den - im Vergleich zu den Habsburgern - Münchner Provinzhof. Am 5. November 1780 kam Mozart hier an, um die Oper zu vollenden und mit den Sängern zu proben. Er zog in das Haus "Sonneneck", Burgstraße 6. Und weil es so kalt war und sein Quartier so gar nicht sonnig, holte er sich sofort eine kräftige Erkältung. Nichtsdestotrotz, es waren glückliche Wochen, die Mozart hier verbrachte. Noch wurde an dem Text gefeilt, noch wurden Wünsche der einzelnen Sänger berücksichtigt. Mozart komponierte ihnen die Arien quasi direkt in die Kehle, und es herrschte auf beiden Seiten großes Einvernehmen.

Über den Tenor Anton Raaff schrieb er: "Der Mann ist so in seine Arie verliebt, als es nur immer ein junger, feuriger Mann seyn kann, denn nachts, ehe er einschläft, und morgens, da er aufwacht, singt er sie." Und der Sänger seinerseits lobte: "Ich wüsste keine Note, die mir nicht anständig wäre." Probleme hatte Mozart einzig mit dem Kastraten del Prato, der mit der Partie des Idamante besetzt war. Dieser Mann sang, so Mozart, "daß es eine Schande war". Noch härter beurteilte Vater Leopold nach einer Aufführung die Münchner Künstler: "Sie sind die Elendsten acteurs, die jemals die Bühne trug."

Im März 1781 reiste Mozart wieder ab, allerdings nicht ohne vorher in vollen Zügen den Münchner Fasching genossen, sich dem Rausch des Lebens ergeben zu haben: "Wo kömmst du hin? - nach Salzburg! - mithin must du dich letzten!"

Es ist unmöglich, das Rätsel Mozart zu lösen. Das Göttliche ist nicht erklärbar. So muss sich die Nachwelt mit Fakten zufrieden geben. Was die Frauen betrifft: Verbürgt ist erstens, dass das "Bäsle" Maria Anna Thekla Mozart seine erste Affäre und, zweitens, die Opernsängerin Aloysia Weber seine große Liebe war. Und drittens, dass er mit deren Schwester Constanze, dem "liebsten, besten Herzensweibchen", eine glückliche Ehe führte. Der Rest ist Mysterium.

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