Im Rausch der Stimme

- "Und nun zur Kulturkritik in den Zeitungen. Ich lehne sie vollkommen ab (dies dick unterstrichen, Anm. d.Red.). . . Wie kommt Herr Pimpfelhuber dazu, über das Theater zu schreiben - mein Hausbesorger darf das auch nicht (wird auch nicht bezahlt dafür), und wenn Herr Pimpfelhuber so viel vom Theater versteht, warum steht er nicht aktiv dem Theater bei. . ." - Ein Auszug aus einem Brief Oskar Werners, geschrieben 1948. Zornige, emotionale Schriftzüge. Der Hochmut des Genialen, des Zweifelnden, der sich den schwierigsten Helden der Weltdramatik anverwandelte, mit ihrem Atem atmete. So musste ihm wohl jeder "fremde" Blick von außen als Anmaßung erscheinen.

<P>Dazu passt das Groß-Foto, das am Ende des Eingangsbereiches hoch oben angebracht ist: Über seine rechte Schulter schaut Oskar Werner zurück, ja, auf uns herab; kritisch, verächtlich. Als würde er mit Hamlet sagen: "Wir sind ausgemachte Schurken, alle." Dieser Satz des Dänenprinzen kann zusammen mit anderen Texten wiederum original gehört werden, wenn man sich der Kopfhörer bedient und sich von der unwiderstehlichen Sprachmelodie dieses Schauspielers berauschen lässt. Man kann sich Oskar Werner aber auch ausliefern, indem man sich den Filmen überlässt, in denen er spielte und die hier auf mehreren Leinwänden ausschnittweise in einer Art Filmschleife zu sehen sind. Es lohnt sich.</P><P>Das Deutsche Theatermuseum München steht von heute an ganz im Zeichen Oskar Werners (1922-1983). "Welch einen sonderbaren Traum träumt ich. . ." heißt die aus Wien übernommene Ausstellung: ein gelungener Versuch, sich dem Phänomen dieses internationalen Schauspielers von Rang anzunähern.</P><P>Woran liegt es, dass Oskar Werner 20 Jahre nach seinem Tod noch immer alle in den Bann zieht? Ausstellungsmacherin Ulrike Demski aus Wien: "Sein Charakter ist sein Schicksal. Was seinen Mythos ausmacht: Er war ein labiler Mensch, gefährdet, gespalten, von radikaler Kompromisslosigkeit. Dadurch geriet er immer wieder mit dem Theater in Konflikt." Vielleicht ließe sich sagen, dass Oskar Werner der personifizierte Widerspruch war. Darum auch spielte er viel weniger Rollen als ihm angeboten wurden. Nämlich nur jene, in deren inneren Kämpfen er sich selbst wiederfand - als Protagonist jener Generation, die zwar an Faschismus und Weltkrieg keine Schuld trug, die aber ihr Opfer war, betrogen um ihre Jugend. Die entsprechenden Bühnenrollen: Don Karlos, Ferdinand, Heinrich IV., Torquato Tasso, Prinz von Homburg _ und Hamlet, immer wieder Hamlet, die Rolle seines Lebens.</P><P>Im oberen Stockwerk des Theatermuseums in Glasboxen jede Menge Rollenbilder, im hinteren Teil auch die Fotos, die die tragische Zerstörung Werners durch Alkohol und Größenwahn dokumentieren. Dieser Zerrissene des deutschsprachigen Nachkriegstheaters, dieser erste Weltstar Österreichs nach '45 wurde 1922 in Wien geboren. Er stammte aus so genannten kleinen Verhältnissen. Die Liebe zum Theater pflanzte die Großmutter in sein Herz _ so stark, dass der Junge vorzeitig das Gymnasium verließ, am Burgtheater vorsprach und von Lothar Müthel engagiert wurde, der ihn fortan förderte, forderte und mehrfach fristlos entließ, wenn Oskar Werner wieder einmal seinen Vertrag brach.</P><P>Bis 13. 4., Di.-So. 10-16 Uhr. Tel. 089/ 21 069 10. Katalog (Brandstätter Verlag): 25 Euro.</P>

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