Rauschige Riten

- Raumtheater, Traumtheater, Illusionen an starken seidenen Fäden, die sich über die Bühne spannen. Für fünf Viertelstunden verwandelt sich der spröde, breite Kasten des Carl-Orff-Saals im Münchner Gasteig wahrhaftig in eine Welt jenseits aller realistischer Dimensionen. Denn in ihm vollbringt das Akhe Theater aus St. Petersburg etwas, das man eigentlich nur dem Sarajevoer Filmregisseur Emir Kusturica und dem Musiker Goran Bregovic zutraut: Bild auf Bild und Klang um Klang eine magische Welt zu bauen aus schrägen Fantasien, die beim zigeunerhaften Zirkus beginnt und beim mechanischen Püppchen endet und zwischendurch eine aufregende Lustfahrt bestreitet zwischen großen und kleinen Gefühlsausbrüchen. Eine Welt, in der alles möglich ist.

Das russische Trio bedient sich in seiner Performance "White Cabin" keiner Worte. Doch an skurrilen Ideen spart es nicht. Vor Stummfilmen oder im Schattentheater, als Varieté-Nummer oder Pappmaskenspiel erzählt es Geschichten über Zweikämpfe, Zwiespälte, Verzweiflungen, Versöhnungen. Gleichzeitig bestaunen die Schauspieler sich selbst und die Phänomene des avantgardistischen Theaters. Die beiden männlichen Schauspieler auf der Bühne, Maxim Isaev und Pavel Semtchenko, haben das Akhe Theater 1989 gegründet.

Zum Ensemble gehören außerdem die deutsche Schauspielerin Barbara Seifert und die Russin Yana Tumina. Doch es gibt zahlreiche Mit- und Gegenspieler mehr: Sie tragen solch banale Namen wie Streichholz, Stuhl, Zeitung oder Glühbirne; das Spiel in "White Cabin" verzaubert sie.

"Perform! Perform!" hat der Gasteig das besondere Programm zu seinem 20-jährigen Jubiläum überschrieben, das mit einer Serie von vier Gastspielen in der laufenden Saison einen Modellversuch darstellt: im Bestreben, in München ein internationales, von den Festivals "Dance" und "Spielart" unabhängiges Gastspielprogramm mit regelmäßiger Präsenz zu etablieren. Mit solch fabelhaften Bühnentraumtänzern wie vom Akhe Theater kann ihm das nur gelingen.

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