Mann droht mit Bomben: Entwarnung nach Großeinsatz in München und Ingolstadt

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Der Rebell und die deutsche Gründlichkeit

- War Robin Hood wirklich ein Rächer der Armen und Kämpfer für Gerechtigkeit? Oder ein durch ungezügeltes Leben verarmter Earl von Huntington, der in die Wälder fliehen musste? Oder doch nur eine Schöpfung der Volksfantasie? Nichts Genaues weiß man nicht. Aber für uns ist R. H. sowieso Erroll Flynn, Richard Todd, Lex Barker oder Sean Connery, eben all die supergut aussehenden Helden, seit Douglas Fairbanks 1922 mit seiner Stummfilm-Interpretation dem Mantel- und Degenfilmgenre neuen Atem gab.

Im Münchner Deutschen Theater ist es jetzt: Jesper Tydén. Mit seiner natürlichen charismatischen Bühnenpräsenz und ansprechenden Stimme lässt der junge Schwede immer mal wieder vergessen, dass das Musical "Robin Hood", nein, nicht schlecht gemacht ist, aber doch  an  seiner Überladenheit, seiner deutschen (Geschichts-) Gründlichkeit ziemlich schwer trägt.

Von der Rückkehr Robin Hoods vom Kreuzzug 1194 an den Hof von Prinz John und Gattin Isabelle über das Bündnis mit der vogelfreien Bande im Sherwood Forst bis zur Befreiung von Richard Löwenherz und Robins Heirat mit seiner Lady Marian - nichts hat Regisseur Hans Holzbecher (auch Buch) ausgelassen. Und alles auch sehr ordentlich, leider eben auch überordentlich erzählt.

Mit derart ausgiebigen Stock- und Schwert-Kämpfen macht man hier jedem Actionfilm Konkurrenz (Kampfchoreograph Malcolm Ranson hat seine Mannen wenigstens gut trainiert). Und unter dem Zwang des häufigen Schauplatzwechsels fahren Hof-, Wald-, Ritterburg-, Kerker- und Kirchenkulissen unaufhörlich rauf und runter. Aber wenn's im Dekor auch recht traditionell ist, so hat es doch Atmosphäre. Vor allem im romantischen Waldversteck, wo die Kerle um Rüdiger Reschkes muskelprächtigen Little John zeigen, dass sie Spiellust und tänzerischen Rhythmus drauf haben. Mit ein paar reschen Maiden platteln die auch einen Irish-Dance in die Lichtung.

Eine Heldentat jedenfalls, dass die Szenen-Übergänge so glatt vonstatten gingen. In puncto Tontechnik jedoch versagte das Haus. Jetzt sind es mal deutsche Texte (Elke Schlimmbach/ Grant Stevens), und trotzdem versteht man sie meistens nicht. Entweder, weil die Mikroports nicht richtig eingestellt sind und/ oder das Orchester über die Dialoge unbedingt noch Atmosphärisches drüberspülen muss.

Viele Köche . . .

Martin Doepke (auch musikalische Leitung) hat handwerklich kompetent komponiert, mit den üblichen bunten Einfärbungen von Rock, Pop und Ethno, ohne herausragende Songs. Hummie Mann hat versiert orchestriert. Manchmal verplätschert die Komposition auch in arg seichte Musicalgewässer. Gesungen wird zuverlässig. So zahlreich wie die Macher im "Kreativ-Team" - wobei man an das Sprichwort von den "vielen Köchen" denkt - sind auch die Mitwirkenden, also hier nicht alle nennbar.

Daniela Ziegler, durch ihre TV-Rollen bundesweit bekannt, gibt eine dramatisch böse Isabelle. Der renommierte Mathieu Carriè`re, als bleichsüchtiger Bischof von Herford, sieht aus, als hätte er sich nach dem Fasching in dieses Musical verlaufen. Günther Kaufmann lässt sein Stentor-Organ dröhnen und animiert als Bruder Tuck zur Gospel-Feier. Als ungemein fleißig-engagierte Ensemble-Arbeit hat diese Produktion von Geschäftsführerin Andrea Friedrichs ihre Gültigkeit. - Und dann ist da ja auch noch Jesper Tydén . . .

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