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Entspannt selten: Der 76 Jahre alte Philip Roth schreibt unermüdlich.

Neuerscheinung

Rebell wider Willen

Philip Roth begleitet in „Empörung“ einen Studenten auf dem Weg in die Welt

Es war zu ahnen. Schließlich hat der Autor selbst seinen Lesern genug Hinweise gegeben. Ja, es wird sogar recht früh klar, dass in diesem Buch ein Toter nochmals sein Leben Revue passieren lässt. Die Umstände des Sterbens aber offenbaren sich erst auf den letzten Seiten. Das zeigt eben die Könnerschaft von Philip Roth. Der Schluss von „Empörung“ gibt der Geschichte eine weitere Dimension.

In seinem neuen Roman, der heute erscheint, beschäftigt sich der US-Erfolgsautor einmal mehr mit der Frage, wie sich – vermeintliche oder tatsächliche – Außenseiter verhalten. Es geht um Diskriminierung und um die Frage, wie kompromissbereit man sein will, ohne sich aufgeben zu müssen. Marcus Messner, 19 Jahre jung, wird 1951 gegen seinen Willen zum Rebellen: Er ist das einzige Kind jüdischer Metzger – und der Erste in seiner Familie, der studiert. Das Studium ist für ihn eine Flucht weg vom Vater, dessen Sorge um sein einziges Kind groteske Formen annimmt. Markie, wie der Junge gerufen wird, sieht in einem erfolgreichen Studium zudem die einzige Möglichkeit, nicht als Kanonenfutter im Korea-Krieg zu enden. Er büffelt für Bestnoten – und gegen die Einberufung.

Roth hat einen recht kurzen, aber dichten und spannenden Roman geschrieben. „Empörung“ besticht durch klare Sätze, den Tonfall der Dialoge, einen stimmigen Erzählbogen. Man folgt Roth gerne auf diese kuriose, erschreckende, erotische und komische Reise, auf die er den jungen Helden schickt. Denn Markie, dem es doch aus naheliegenden Gründen so wichtig ist, nicht als Soldat nach Korea zu müssen, führt bereits in der Heimat seinen eigenen Kampf, gegen Eltern und andere Autoritäten, gegen Frauen und Freunde. Mit Wohlwollen begleitet der Autor seinen Protagonisten bei der Suche nach seinem Platz in der Welt der Erwachsenen. Und dennoch: Roth wäre kein gefeierter Gegenwarts-Autor, wenn es ihm einzig darum ginge, Markies Entwicklungsgeschichte zu erzählen. Die Sinnlosigkeit des Sterbens treibt ihn auch bei „Empörung“ um. Das Buch, das sehr gut, aber kein Meisterwerk ist, reiht sich so elegant ein in das Alterswerk des 76-Jährigen, der seit Jahren zu den Favoriten für den Literaturnobelpreis zählt. Er hätte ihn verdient.

von Michael Schleicher

Philip Roth

„Empörung“. Carl Hanser Verlag, München, 208 Seiten; 17,90 Euro.

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